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Rüstungsanatomie
und deduktive angewandte Materialkunde In der mittelalterlichen Kostüm- und Waffenkunde werden Zeichnungen (Buch- bzw. Codex-Illustrationen) oder Skulpturen (meist Grabskulpturen) verwendet, um von der Art der Darstellung auf Funktionsweise, Material und Herstellung schließen zu können. Dies ist vor allem dann nötig, wenn sich keine Originalstücke erhalten haben. Ich habe im Folgenden versucht, diese Methode auf die Kostümierung Captain Futures anzuwenden, da auch hier nur die Zeichnung Aufschluss über die tatsächliche Beschaffenheit des eingesetzten Materials geben kann, und darüber hinaus Vergleiche zu einer mittelalterlichen Rüstung (Plattenharnisch) gezogen. Inwieweit
es sich bei Futures Kostümierung um eine Uniform, eine Art Rüstung
oder Raumanzug handelt, lässt sich aus den Zeichnungen selbst nicht
ablesen. Die Lektüre von Edmond Hamiltons Geschichten hilft hier nicht
weiter, denn der steckte seinen Helden bekanntlich in einen "Overall aus
Syntho-Seide"; mehr Beschreibung findet sich hier nicht. Die
Darstellung der "Rüstung" gibt nur beschränkt Aufschluss über
Textur und Beschaffenheit des Materials. Dieses muss zumindest an Armen
und Beinen eine gewisse Flexibilität besitzen, da in der Folge mit den
Tiermenschen die Zähne des Tiger-Mensch-Mischwesens Unyi deutliche
Eindrücke (im wahrsten Sinne des Wortes) hinterlassen und das Material
zumindest arg quetschen. Um starre Röhren (wie die Arm- und Beinröhren
einer mittelalterlichen Rüstung) kann es sich also nicht handeln,
obwohl die angedeuteten schwarzen Naht- oder Gelenkstellen dies
eigentlich nahe legen. Beweis: Die Spritze, die Future von Grag gesetzt bekommt
("Der Herrscher von Megara", hier schiebt der Captain nämlich
seinen "Rüstungsärmel"
hoch).
Gegen die Annahme starrer Röhren spricht auch die aus der Zeichnung
abgelesene theoretische Funktionalität der schwarzen Gelenkstellen, die
nicht der in der Praxis angewandten Funktionalität entspricht. Um sich
mit starren Röhren an Armen und Beinen bewegen zu können, d. h. die
Gelenke beugen zu können, müssen die Röhren an den jeweiligen Enden
über große, mehr oder weniger oval abgeschrägte Ausschnitte verfügen,
da sonst das Aufeinanderstoßen von starren Materialkanten das Beugen
schlichtweg verhindert bzw. den Beugewinkel arg einschränkt (q.e.d., d.
h. ich hab's ausprobiert). Durch die
dafür nötigen großen Aussparungen entstehen an den Innenseiten der
Gelenke (also im spitzen Winkel) jedoch relativ offene, ungeschützte
Stellen. Beim Plattenharnisch, der das "Röhren"-Prinzip
verwirklicht, führte dies zur Entwicklung von mehr oder
weniger unförmigen Armkacheln, die diese offenen Stellen überkragen und somit
abdecken. Die bei Future dargestellten offenen Gelenkstellen sind
dagegen ausgesprochen schmal. Ist
das Röhrenmaterial flexibel, bildet sich beim Beugen im spitzen Winkel
des Gelenks eine Einwölbung oder Falte im Material bzw. eine Dehnung
auf der gegenüberliegenden stumpfen Seite; das gilt auch für
elastische Materialien. Dehnungs- oder Faltenbildung ist jedoch im
Bewegungsablauf Futures nie zu erkennen – weder am Rumpfansatz der
Arme noch in der Armbeuge. Wie ist dieses Problem zu lösen? Entweder
hat der Zeichner hier ein neues Material mit bahnbrechenden elastischen
Eigenschaften angedeutet, oder es handelt sich um einfache zeichnerische
Freiheit ohne Zusammenhang mit der Funktion des gezeichneten Teils
(pfui!). Aus
dem gleichen (revolutionären) Material scheinen auch die Handschuhe und
die Oberschenkelröhren (Diechlinge) zu bestehen, wenn man die gleiche
Farbgebung dafür als Beleg nimmt. Auf Höhe der Kniescheiben befinden
sich andersfarbige Knieschützer, die ihre Entsprechung in den
Kniebuckeln einer Rüstung haben. Der Schienenbeinschutz ist mit y-förmig
aufeinander zulaufenden Strukturen oder Rippen ausgestattet, denen ich
unwillkürlich eine stabilisierende Funktion zuschreiben würde –
somit hätte man es hier mit härterem Material, also mit einer Art
Beinschiene, zu tun. Mit einer angedeuteten Naht- oder Gelenkstelle geht
die Beinschiene in den Schuh-Teil über. Auch hier ergibt sich aus der
Darstellung wieder die oben beschriebene Gelenkproblematik. Der
Rumpfbereich mit dem senkrechten dunklen Streifen lässt sich am
wenigsten charakterisieren. Als Material könnte man sich hier eine Art
reißfesten elastischen Stoff vorstellen. Ebenfalls
schwierig einzuschätzen ist, was eigentlich wirklich alles an Future's
Gürtel befestigt ist. Wenn man nach Edmond Hamilton geht, müsste sich
hier ein wahres Arsenal an Werkzeug und Hilfsmitteln befinden – DER
klassische Superhelden-Gürtel eben, der auch bei anderen Figuren aus
der damaligen Zeit Verwendung findet (Batman z. B.) Kann man davon
ausgehen, dass der "Superheldengürtel" seine Entsprechung im
Schwertgürtel des Ritters hat, da die Superhelden deren Nachfolge
antreten? Ich finde den Gedanken naheliegend! Im Falle von Future hätte
dieser dann auch noch die passende Farbe (weiß steht für Reinheit, und
tatsächlich waren bis zum Hochmittelalter in Deutschland die Schwertgürtel
der Ritterschaft weiss, dies unterschied sie u. a. von den berittenen
Sergeanten)... Der
Brustpanzer mit seinen Schulterstücken scheint auf dem Arm- und Bein-
sowie Rumpfmaterial aufzusitzen, d. h. er wird darüber getragen.
Offenbar lässt er sich vorne öffnen. Eine Gelenk- oder Nahtstelle auf
dem Rücken fehlt oder ist nur teilweise angedeutet, also muß das
verwendete Material auch hier eine gewisse Flexibilität aufweisen,
sonst ist ein An- und Ausziehen des Brustpanzers unmöglich (hier
spricht der Fan, der's ausprobiert hat). Andererseits ist für die
Schutzfunktion eine gewisse Starrheit vonnöten – diesen Spagat kriegt
man aber nur hin, wenn man wieder revolutionäre Materialien mit eben diesen
Eigenschaften voraussetzt, also Werkstoffe aus der Zukunft eben – oder
erneut die zeichnerische Freiheit bemüht (was langweilig ist). Über
die Funktion des blaugrauen Kreises auf der Brust lässt sich nur rätseln,
mir fällt allerdings außer reiner Dekoration kein Verwendungszweck
dazu ein. Manch einer hat darin schon eine Art
"Funk-Empfänger" vermutet, da in einer Folge dieser
Brustkreis gelblich aufleuchtet. Wäre das der Fall, müsste der Kreis
in allen gezeigten Folgen leuchten, sobald Captain Future kontaktiert
wird. Das ist jedoch nicht der Fall. Zeichnerische Schlampigkeit oder
Absicht? Wir werden es wohl nie erfahren... Die "Stege", unter denen die Schulterstücke
beginnen, finden am ehesten in dem Brechrand eines mittelalterlichen
Schulterstücks ihre Entsprechung, sie sind aber auch heutzutage noch
beliebt (jüngstes Beispiel im deutschen Fernsehen: "Totally
Spies"). Futures Schulterstücke selbst sind funktionell direkte
Ableitungen ihrer mittelalterlichen Vorbilder – wenn auch in der Größe
und Gestaltung arg reduziert und des Brechrandes entledigt (da dieser
auf den Schulterteil des Brustpanzers verlegt wurde). Fasst man also die starren Bestandteile von Future's Rüstung zusammen, so erhält man Brustpanzerung und Schienenbeinschutz. Und schon ist man auf halber Strecke bei dem modernen Pendant eines Harnischs angelangt: Der semiflexiblen Schutzausrüstung eines American-Football-Spielers... Anklänge aus dieser Richtung lassen sich natürlich nicht beweisen, liegen aber nahe. In ihrer Gesamtheit muß die "Rüstung" jedoch zumindest teilweise weltraumtauglich (d. h. vakuumtauglich) sein – dies belegt jedenfalls die erste Folge von "Der Kampf um die Gravium-Minen". Hier springt Future, nur mit einem Helm sowie einem Hitzeschild "bewaffnet", in Nähe der Sonne aus der Schleuse von Wreckers Raumschiff in den Weltraum hinaus. Für den Sauerstoff sorgt der Helm (der Körper befindet sich ergo im luftleeren Raum), den nötigen Schutz vor der mörderischen Hitze leistet der Hitzeschild. Für den Rest ist die "Rüstung" verantwortlich, der man somit eine gewisse Luftdichtigkeit unterstellen muß. Dies impliziert wiederum ein Material, das als Schutzhaut unter den einzelnen Komponenten der Rüstung sitzt, diese als unverzichtbarer Bestandteil derselbigen miteinander verbindet und schwarz an den Gelenkstellen durchschimmert. Was
Future noch unter dieser Rüstung trägt, ist leider nicht bekannt
(schade!)... Joan, Ezella und SimonBei Joan und Ezella kann man im Gegensatz zu Future von einer Uniform aus mehr oder weniger elastischem Material ausgehen, die auf Brusthöhe zu öffnen ist. Stiefel und Handschuhe komplettieren dann diesen etwas fantasielosen, aber einfacher nachzubauenden Aufzug. Interessant
gelöst ist die Darstellung Simon Wrights. Die Idee, das Gehirn des
alternden Wissenschaftlers unter einer Halbkugel zu bergen, scheint
naheliegend (für uns – bei Hamilton handelt es sich noch um einen
Kubus aus durchsichtigem Material). Allerdings fehlen hier sichtbare
Versorgungssysteme: Das menschliche Gehirn ist von einem Flechtwerk an
Gefäßen umgeben, die es mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.
Kann man von einer zentralen "Belieferung" von
"unten" (innerhalb des metallähnlichen Sockelteils von Simons
Behälter) ausgehen? Auch in der Folge "Mitgefangen im
Weltraum" erfahren wir nur unwesentlich mehr zu diesem Thema.
Andere Möglichkeit: Die transparente Halbkugel ist zur Gänze mit einer
Nährlösung gefüllt, die das Gehirn des Professors umspült. Die Füllung
ist bis zum "Anschlag" erfolgt, da keine Blasen zu sehen
sind... Dies würde allerdings das Gewicht der Halbkugel enorm erhöhen
und die zur Bewegung nötigen Energiereserven
rasch aufzehren. Die Trägheit der Flüssigkeit wäre bei
schnelleren Bewegungen ebenfalls problematisch. Bestechend ist dagegen
wieder das Konzept der beweglichen Linsenaugen, mit denen der Professor
auch um 180° nach hinten sehen kann, ohne sich dabei umwenden zu müssen. Auch für Grag, Otto und
Ezella wurde ein passendes Äußeres entwickelt, was in deren Fall
allerdings auch nicht so schwer war – einzig Otto musste besondere
Bedingungen erfüllen. By the way: Man liest immer wieder, der
Gestaltwandler Odo aus Deep Space Nine hätte Future's Otto zum Vorbild
(natürlich nicht vom Äußerlichen her...) [1] Unter
"Minne" verbirgt sich die Verehrung und Liebe des Ritters
zu seiner höfischen Herrin, die (meist unerreichbar für ihn, da
ranghöher) seine Dienste annimmt und ihn dafür mit Ehr- und
Gunstbeweisen oder Liebesbezeugungen belohnt. Es handelt sich in
erster Linie jedoch nicht um Liebe sexueller Ausprägung, sondern
eher von platonischen Ausmaßen, wobei ersteres natürlich nicht
ausgeschlossen war. Insofern ist die Frage nach dem
"Erfolg" in der Minne zweischneidig... Siehe dazu auch die
Fußnote im Teil "Eckdaten". |
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