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Future und Joan |
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Noch ein bischen Psychologie, oder: "No Sex", Leugnen und Video... |
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Wenn
auch die Übersetzungen der Romane streckenweise so arg pathetisch geraten sind, daß Nicht-Fans sich
schwertun, weiterzulesen, haben die Geschichten dennoch Potential.
Vielleicht gerade deswegen, weil sie voll des prallen menschlichen Lebens
sind: Da gibt es neben den obligatorischen wissenschaftlichen Rätseln,
die zu lösen sind und der natürlich damit verbundenen Gefahr fast alles,
was die Gefühlspalette so ausmacht: Liebe, Leid und Leidenschaft, Neid,
Habgier, Verrat, Machtansprüche, usw... Andere haben sich hier schon ausführlich
dazu ausgelassen. Auch das Gebiet, auf das wir uns nun begeben wollen, ist
bereits Thema zahlreicher "Untersuchungen" und Kommentare. Trotzdem
wollen wir im Folgenden einen Blick auf die Beziehung der Protagonisten
zueinander werfen und mittels Analyse ein
paar neue Aspekte aufdecken. Schatten
der Vergangenheit Was
man immer wieder gerne vergisst, ist die Tatsache, das die "Future-Mannschaft",
also Grag, Otho und Simon, nicht nur die Helfertruppe unseres rothaarigen
Helden darstellt, sondern auch die Familie[1]. Die WG auf dem Mond ist nämlich das, was übrig war, nachdem Victor
Corvo und seine Komplizen Futures Eltern umgebracht hatten, und Curtis
blieb mit einem Roboter, einem Androiden und dem körperlosen Gehirn eines
alternden Wissenschaftlers im Labor unter dem Krater Tycho zurück. Ob er
Grag und Otho als so etwas wie größere Brüder empfunden hat? Die
Vorstellung eines "Onkel Grag" und eines "Onkel Otho"
scheint mir jedenfalls recht abstrus, im mildesten Falle noch brüllend
komisch. Bei Simon dagegen kann ich mir schon eher die
"Vaterfigur" vorstellen. Den Schwerpunkt auf den Bruderaspekt zu legen, ist auch schon deshalb gesünder, da inzwischen bekannt ist, wie Kinder sich entwickeln können, wenn sie hauptsächlich von Erwachsenen umgeben sind und nicht von Gleichaltrigen... Es scheint denn im vorliegenden Falle auch nicht so recht funktioniert zu haben. Im Umgang mit den Altersgenossen wird das dem jeweiligen Entwicklungsstadium entsprechende Sozialverhalten eingeübt, Kontakt mit dem anderen Geschlecht formt zusätzlich noch das Rollenverständnis. Beides muß logischerweise bei Curtis ganz eklatant zu kurz gekommen sein, denn – ehrlich gesagt – ist er ein ziemlicher Egoist und Macho (herrlich in der amerikanischen Video-Fassung des "Herrschers von Megara": Joan darf Future mal wieder nicht begleiten, da er meint, dieses oder jenes wäre zu gefährlich für sie. Joan winkt ihm also hinterher und beschließt in diesem Moment, die besagte Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie ruft dem sich entfernenden Cosmoliner nach, was übersetzt in etwa so lauten würde: "Du musst schon viel Glück haben, wenn Du schneller sein willst als ich - you big, red-haired macho hero!" (Joan hat es also schon in der ersten Folge kapiert, der geneigte Zuschauer braucht da manchmal etwas länger ;-)…) Oder weht uns hier wieder der Zeitgeist entegegen? Was
Future sonst noch so in seiner Jugend getrieben hat, verbleibt im Reich
der Spekulation. Hamilton verweist auf die zahlreichen Streifzüge, die er
kreuz und quer durch die bekannten und unbekannten Sektoren des Weltraums
unternommen haben soll. Dazu muss er allerdings schon dem schlimmsten
Kindesalter entwachsen gewesen sein (sagen wir mal – Minimum 16 Jahre,
nicht jünger. Ich glaube kaum, daß er – wenn man die merkwürdigen
Umstände seiner Jugend bedenkt - ein ausgesprochener Frühentwickler
war...). Ergo: Die prägenden Phasen der Entwicklung wird er wohl auf dem
Mond erlebt haben, also mit Grag, Otho und Simon als einzige
Bezugspersonen. Futures
Verhalten gegenüber Joan Um
die Beziehung zwischen den beiden zu untersuchen, muss man sich die vier
Schlüsselgeschichten der Serie näher ansehen (wenn nicht anders erwähnt,
handelt es sich um die deutsche gekürzte Fassung. Eine amerikanische
94minütige Videofassung liegt mir nur für den "Herrscher von Megara"
vor – leider!)
Key Story No. 1: Der Herrscher von Megara Hier lernt Joan
Future kennen, und sofort wird klar, daß beide etwas füreinander
empfinden. Leider ist der deutsche Text zu der netten kleinen Szene in den
Seitenstraßen von Megara-City, in der sie, vom Büro des Gouverneurs
kommend, eine Weile nebeneinander herlaufen, fürchterlich entstellt und
auf Beinahe-Babysprache-Niveau gehalten. Sehen wir uns doch die
amerikanische Video-Fassung an – hier sind wir näher an der Wahrheit...
Indem
Future sagt/denkt "...so this is what it's like - ...." und Joan
versonnen, fast verträumt, hinterherblickt, wird zum einen endlich der Übergang
zu der nächsten Szene verständlich, in der erzählt wird, wie Roger
Newton an einem nebligen Herbsttag seine zukünftige Frau Elaine
kennenlernt. Zum anderen aber gibt Future damit zu, daß er sich soeben
verliebt hat (aha, so fühlt sich das also an...)![3] In
den folgenden Episoden legt Future in Bezug auf Joan wieder die so lieb-gewonnene Distanz an den Tag. Arme Joan! Er lässt ihr keine Chance...
(und wir müssen darüber hinaus ohne amerikanische [längere]
Vergleichsfassung auskommen und uns auf den deutschen Text beschränken,
leider!) Key
Story No. 2: Mitgefangen im Weltraum Joan
hat sich freiwillig zur Begleitung eines Gefangenentransports gemeldet. An
Bord geht mit ihnen eine Auswahl der gefährlichsten Verbrecher mit dem
Gefängnisplaneten Kelvis als Ziel. Zusammen mit Ezella Guerney (ja, ja,
sorry, ich weiß, das ist die nicht-korrekte Misch-Schreibweise) überwacht
sie das "embarking", das "Einladen" der menschlichen
"Fracht". Schnitt: Wir sehen eine nachlässig, d. h. fast schludrig gelandete COMET, eine hastig aufgerissene Luke und einen aus dem gerade zum Stillstand gekommenen Raumschiff stürmenden Captain, der noch nicht einmal seine Freunde beachtet, die ihm hinterherrufen. In nullkommanix hat er einen Gleiter beschlagnahmt, rast zum entsprechenden Gate und springt aus dem Gefährt, sobald er den Flugsteig erreicht hat. So eilig hat man/frau es nur, wenn es wirklich wichtig ist... Vor Ort beginnt er gleich damit, zu versuchen, Joan von ihrem Vorhaben abzubringen – jedoch vergeblich. Joan fühlt sich stark mit Ezella an ihrer Seite und lässt Future einfach abblitzen (wundervolle Szene!). Auch wenn den Zeichnern da Futures Gesichtszüge ein wenig entgleist sind (die korrekte Physiognomie wäre eine andere gewesen) – gerade die etwas misslungene oder vielleicht auch kindgerechtere Übertreibung macht es um so deutlicher, wie sehr ihn, Future, diese Tatsache verstört. Anders lässt sich seine Reaktion nämlich kaum erklären: Er beschließt, einfach eigenmächtig und unangekündigt an Bord zu kommen und den Transport ebenfalls zu begleiten. Einschub... Was ich immer wieder klasse finde: Seine Crew kennt ihren Captain durch und durch, d. h. sie haben ihn durchschaut... Denn als Future auf der anderen Seite der sich gerade schließenden Luke des Raumschiffs "Balcan" unsanft Bekanntschaft mit dem Boden macht, bekommt er gemeldet, daß der Rest seiner Mannschaft auch schon da sei... ;-) Nachtigall, ick hör' Dir trapsen... (es gab da mal eine deutsche Gruppe zur besten Zeit der Neuen Deutschen Welle, die sangen "Verliebte Jungs". Man muß das Lied nicht gutfinden, der Refrain aber passt!) Im Navigationsraum lässt Joan dann ihrem angeblichen Unmut über diese Future sehr zu eigene Art der Bevormundung aus, doch der schafft es in diesem Moment nicht, zu kontern. Vielleicht will er es auch gar nicht... Ein lahmes, ja fast freudig geäußertes "Schimpfen nützt jetzt auch nichts mehr!" ist alles, was ihm dazu einfällt[4] – weil die Erleichterung so groß ist? Daß dem wohl so sein muss, lernen wir aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. Bevor wir uns dem jedoch zuwenden, schnell noch Joans Reaktion: Als sich die Tür hinter ihr wieder geschlossen hat, schüttet sie sich aus vor Lachen über die Tatsache, daß Curtis zur Abwechslung jetzt ihr nachläuft. Endlich dreht sich der Spieß mal um! Aber wir als Zuschauer wissen ja alle: Im Grunde ihres Herzens ist sie dennoch heilfroh, daß er mitgekommen ist... Leider wird sie noch allen Grund dazu haben werden. Future sind Gerüchte zu Ohren gekommen, daß die Gefangenen während des Transports zum Gefängnisplaneten Kelvis ausbrechen wollen. Und sofort stürzt er sich in die Untersuchung der Angelegenheit. Dies tut er so gründlich und so ausdauernd, daß selbst sein Freund Ezella ihn langsam, aber sicher, für übergeschnappt hält. Warum wohl diese Akribie? Spät am "Abend", als sich alle auf den Weg in ihr jeweiliges Nachtquartier aufmachen, steht Future einsam und allein an der Fensterreihe eines Gangs und blickt nach draußen in die Dunkelheit des Alls. Was ihm wohl für Gedanken durch den Kopf gehen mögen? Er merkt jedenfalls erst, daß Joan hinter ihm steht, als sie ihn an der Schulter berührt. Arme Joan – jetzt wird sie sich nämlich outen. Sie offenbart ihm, daß sie sich – durch die Erzählungen über den geplanten Aufstand – doch fürchtet. Ist das nur "show", um ihm eine Reaktion zu entlocken, oder wirklich echt? Jedenfalls lässt sie fürchterlich die Schultern hängen und gesteht damit vor ihm ihre Unsicherheit ein. Ein Bild des Jammers ;-)...! Egal, ob das nun gespielt ist oder nicht, Future reagiert tatsächlich darauf: Er legt ihr den Arm um die Schultern. Das ist aber nicht das einzige, was er tut: Es folgt eine Geste, die zwar dem Bestreben der Zeichner entsprungen sein mag, einem Animé-Kuss[5] zu entgehen, an Intimität[6] diesem aber so nah wie nur irgendetwas kommt. Wer nämlich genau hinschaut, wird bemerken, daß Future ganz sanft seine Wange an Joans Kopf reibt. "Körperkontakt"
mit dem Gesicht, von Kopf zu Kopf –
das macht in Nordeuropa keiner, der sich nicht im Stadium einer emotionellen Bindung (zu
deutsch: Verliebtheit) befindet und nicht zuvor schon ähnliche Berührungen
ausprobiert hat. Der Kopf als Berührungszone ist in der westlichen Welt
zwar nicht tabu, sondern durchaus "anfassbar". Das gilt aber nur
auf einer bestimmten Ebene und damit auch nur unter genau definierten Umständen! Der
Grund für das Fehlen eines Kopf-zu-Kopf-Kontaktes unter Nicht-Liebenden
ist ganz einfach: Weil es "unschicklich", d. h. zu
intim, wäre. Täten sie es doch, würden sie damit das Vorhandensein
einer Beziehung (im Sinne von Partnerschaft) offenbaren. So etwas
"just for fun" zu machen, wäre entweder unangebracht (peinlich)
oder würde plötzlich Tatsachen schaffen (was genauso peinlich sein
kann)... Halten wir also fest: Diese Art Geste impliziert eine gewisse Intimität oder emotionelle Bindung (Liebe), folglich traut sich nur jemand, sie zu verwenden, der entsprechend emotional involviert ist ;-)... Beide
träumen in der nachfolgenden Sequenz von einem gemeinsamen Ballabend –
entsprechend dem Stil der Zeit "aufgerüscht" (über Geschmack
kann man streiten... ;-)). Aber: Tanzen tut man nicht mit jedem! Auch hier
gilt wieder, daß man nur bestimmte Personen (und nur in bestimmten
Situationen) so nahe an sich heranlässt. Erinnern wir uns an den Ekel in
der Tanzstunde, wenn man diejenige auffordern musste, die diese hässliche
dicke Hornbrille trug, müffelte und deshalb als einzige übrig geblieben
war, oder von demjenigen aufgefordert wurde, der diese unsympathisch
verschwitzten Hände hatte und das Rhythmusgefühl eines Holzklotzes.
Ergo: Sympathie muß beim Tanzen mit im Spiel sein, sonst klappt's nicht
(mit dem Nachbarn, äh, Tanzpartner). Leider
macht Future anschließend alles wieder kaputt, indem er Joan fragt, ob er
etwas für sie tun könne, da sie so nervös sei. Ach, Curtis! Doch wir müssen
Dir verzeihen, ja, wir sind sogar gezwungen dazu, denn das war eindeutig
die Notbremse, buchstäblich in allerletzter Sekunde...! "Mitgefangen
im Weltall" hat aber sonst auch noch einiges zu bieten. Nachdem die
"Balcan" auf dem instabilen Planeten gestrandet und in der Lava
versunken ist, richten sich die Überlebenden mit Hütten à la
Maui-Feeling mehr oder weniger gemütlich ein. Joan
steht in einiger Entfernung vor einer dieser Hütten, und Future tritt zu
ihr. Während der nun folgende deutsche Dialog mal wieder auf das Niveau
von Sechsjährigen abgleitet (und mir leider kein amerikanisches Video als
Vergleich dazu vorliegt), legt er ihr den Arm um die Schultern und zieht
sie ein wenig zu sich heran, wie um sein Kinn in ihrem Haar zu vergraben[10]
(eine recht ähnliche Geste, die wiederum eine gewisse Intimität
voraussetzt - bezeichnenderweise ist in diesem Moment gerade von der
"gestörten Balance" zwischen Planet und Mutterstern die Rede, *lol*
;-)),
wobei Joan für einen Moment die Augen schließt. Future blickt ernst und
angestrengt (jetzt bloß keine Fehler machen!) in Richtung Horizont. Das
war's dann auch schon wieder mit den tiefen Gefühlen. Doch nicht verzagen
– es gibt noch eine Geschichte, die Nettes und Erleuchtendes über die
Beziehung der beiden bietet: "Die Elektromenschen". Key
Story No. 3: Die Elektromenschen "Die
Elektromenschen" ist eine der wenigen Folgen, in denen Joan einen
eigenständigen Auftrag wahrnimmt (siehe auch den Teil "Hintergründe").
Leider wird sie, zusammen mit Ezella, von den Elektromenschen gekidnappt,
und Future wird auf den Fall angesetzt, um den Karren mal wieder aus dem
Dreck zu ziehen. Der Besatzung der COMET ist jedoch das gleiche Schicksal
beschieden wie Joan und Ezella: Kaum auf dem Planeten im Inneren des
Halleyschen Kometen gelandet, werden sie gefangengenommen. Einschub... Die vier werden ins Gefängnis geworfen, netterweise in die gleiche Zelle, die auch Ezella seit geraumer Zeit bewohnt. Szene: Future liegt ohnmächtig auf dem Boden (nein, Bewusstlosigkeit ist etwas anderes!) und Ezella hampelt mehr oder weniger verzweifelt auf (!) ihm herum, um ihn wieder wach zu kriegen. Wenn man nicht wüsste, daß zwischen den beiden "nichts läuft" – hier wäre der Moment, einen entsprechenden Verdacht zu bekommen....;-) Auf
die Frage, wo denn Joan sei, antwortet Ezella sinngemäß, daß er noch
nicht einmal in der Lage gewesen sei, eine Frau zu beschützen. Ach,
Ezella... diese Selbstanklage erhebst Du doch nur, weil Du genau weißt,
was Joan Future bedeutet...! Future ist unruhig, ihm gefällt diese
Nachricht natürlich nicht. Der Zustand hält aber nicht lange an, da er höchstpersönlich
zum König der Elektromenschen befohlen wird. Man beachte nur seine Augen! Ungläubig starrt er sie an, kann es einfach nicht fassen – und dabei sind seine Pupillen viel kleiner gezeichnet als sonst. In dem die Szene begleitenden Dialog muß Joan ihn natürlich anlügen und so tun, als wäre es das Größte, als Elektromensch zu leben, da sie weiß, daß sie beobachtet wird. In ihr vorgebliches Schwärmen mischt sich aber auch echtes Gefühl, als sie ihm ausmalt, wie sie zusammen auf diesem Planeten leben könnten. Future kapiert jedoch gar nichts – und nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat die deutsche Synchro den Text schlichtweg verändert, oder Futures Ego kommt nicht damit klar, daß "seine" Joan tatsächlich gehandelt hat und ein Elektromensch geworden ist (aus was für Gründen auch immer). Zu glauben, daß sie zum "Feind übergelaufen" ist – so dumm kann Future doch nicht sein, oder? Er ist es leider, zumindest laut deutscher Fassung. Hier würde mich mal interessieren, was das amerikanische Video an dieser Stelle dazu meint... Die Geschichte entwickelt sich weiter und bietet andere in Bezug auf Futures Psyche aussagekräftige Aspekte: Zwischendurch, während seiner Gefangenschaft in der turmähnlichen Zitadelle der Allus, sehen wir einen sehr menschlichen (nämlich seiner nonchalanten Besserwisserei und Coolness entledigten) Future, der – von Selbstzweifeln und Muffensausen geplagt, seiner Sache gar nicht mehr so sicher ist. Es
kommt noch besser: Nachdem die Allus ihn gefoltert haben und durch seine
"Erfindung" des Begriffs einer Thermischen Konstante
verunsichert sind, beschließen sie, auch Joan zu foltern, um über diesen
physikalischen Begriff Klarheit zu erhalten. Ein wunderbares Druckmittel,
da sie mitbekommen haben, daß er "sich für die blonde Frau sehr
interessiert"... Future, der just in diesem Moment wieder die Augen
aufschlägt, gibt daraufhin sofort klein bei (!) und versucht, zu retten,
was noch zu retten ist. Zu spät – die Allus lassen sich nicht davon
abbringen! Und wir sehen einen vollkommen entsetzten Captain, der zittert,
als im klar wird, was als nächstes passieren wird... So arg in der
Klemme, die nackte Angst in den Augen, haben wir ihn wirklich noch nicht
erlebt. Es kommt schließlich, wie es kommen muß: Da es keine andere Möglichkeit gibt, in das Zentrum der Feinde einzudringen, um ihnen den "Energiehahn" abzudrehen (die Leitungen, mit denen die Allus an ihren Generator gekoppelt sind), beschließt auch Future, die Umwandlung in einen Elektromenschen auf sich zu nehmen. Das Experiment glückt. Mit fahlem Teint, keilförmiger Nasenwurzel und den beiden obligatorischen Schläuchen am Hals versehen, wankt Future aus der Maschine und macht sich auf (noch etwas zittrig auf den Beinen nach der Prozedur), um den Bösen endlich das Handwerk zu legen. Nach echter Heldenmanier durchtrennt er in mühsamer Kleinarbeit die "Zuleitungen" der Allus mit einem Vierkantrohr. Joan kommt hinzu und hilft ihm dabei, doch sie wird angegriffen, was Futures Bestrebungen sofort intensiviert. Die Allus haben letztendlich keine Chance...;-) Schnitt:
Ruhe nach dem Sturm... Joan,
völlig fertig, kauert auf allen Vieren am Boden (ein echtes Bild des
Jammers). Future rennt sofort zu ihr hin; das Metallrohr fällt mit einem
lauten Scheppern zu Boden, wo es schließlich liegen bleibt. Die Kameraführung
und auch die Hintergrundmusik lassen es wiederum ahnen: Jetzt kommt
Romantik...;-) Und
anstelle sie sofort in die Arme zu nehmen, was die natürliche Reaktion
gewesen wäre, bleibt er VOR ihr knien und erstattet ihr (unter heftigem
Lidschlag und Klimpern mit seinen Augen) Bericht (!) – wir fassen es
nicht! – nämlich, daß der Feind endlich besiegt ist und nun keinen
Schaden mehr anrichten kann. Ach, Junge, was machst Du da bloß...! Der
Biologe nennt dies "Übersprungshandlung". Mit diesem Begriff
bezeichnet man eine unwillkürlich ausgeführte Handlung bei zwei widersprüchlichen
oder sehr starken, entgegengesetzten Reizen, die mit den Reizen selbst
oder den auslösenden Ursachen inhaltlich nichts zu tun hat. Diese Handlung dient nämlich
einzig und allein zum Abbau von Spannungen oder Reizüberflutungen, damit
das Hirn wieder frei ist für andere, wichtige Entscheidungen. Joan muß jedoch stärkere Geschütze auffahren, um ihm eine definitive Aussage in die eine oder andere Richtung zu entlocken, und so spricht sie das Thema "Bleibenmüssen auf dem Planeten" an. Ritterlich verspricht Future ihr, bei ihr zu bleiben, und umfasst ernsten Blickes[12] ihre Hand. Ach,
warum hat diese Szene bloß so einen schalen Beigeschmack...? Es ist die
alte Distanz, die uns zusammenzucken lässt. Kein Mensch würde so mit
Joan umgehen – nur Future tut es mal wieder... Joan
jedoch scheint es vorerst zu reichen, und sie wirft sich an seine Brust. Warum macht er das? Haben wir es hier wieder mit der "Notbremse" zu tun? Diese Möglichkeit entbehrt nicht einer gewissen Logik, wenn man seine Angst um Joan bedenkt, die ihn während der ganzen Geschichte umtreibt. Und sie macht uns auch das um 180° gedrehte Verhalten der beiden in der nächsten Szene verständlich. Schnitt: Grag und Otho betreten den Ort des Geschehens, und als sie merken, was dort "abgeht" (Joan in Futures Armen), fangen sie augenblicklich an, herumzustottern – allerdings nicht ohne eine gewisse Portion Genugtuung in der Stimme. Future, der seine Hand auf Joans Haar gelegt hat, bedient sich jedoch des gleichen Prinzips, als er – offensichtlich alles andere als über die Störung unglücklich – kopfschüttelnd kommentiert "Ach, diese beiden...!" Irgendwie drängt sich einem das Gefühl auf, daß er die Situation genießt....Tja, ertappt werden hat manchmal etwas ;-) Wenn er in diesem Moment wirklich so innerlich distanziert gewesen wäre, wie es aussieht, hätte sein Spaß am "erwischt-werden" keinen Sinn[13]. Und nicht genug des Ganzen: Man beachte die erstaunliche Wandlung Joans vom "Bild des Jammers" zum demonstrativen Stolz, als Grag und Otho sie so mit Future sehen...;-) Es sind immer wieder die kleinen Details, die hier die stärkste Aussagekraft haben, und das auch noch mit System. Eine richtige Umarmung verkneift Future sich, schwelgt dann aber in den Kleinigkeiten... das Prinzip des Minimalismus? Er scheint sich darauf spezialisiert zu haben, frei nach dem Motto "lieber sparsame Gesten als große Worte". Trotzdem, gegen "Mitgefangen im Weltraum" kann diese Szene nicht wirklich "anstinken";-) Noch
ist die Geschichte aber nicht zuende. Joan hat bis jetzt nicht gekriegt,
was sie wollte, und verständlicherweise setzt sie also noch einen
obendrauf. Future und Simon haben inzwischen eine Möglichkeit entwickelt,
die Elektromenschen wieder in normale Menschen zurückzuverwandeln (wie
sollte es auch anders sein). Nachdem sich ihr ehemaliger Bewacher als
Testobjekt zur Verfügung gestellt und damit bewiesen hat, daß die Sache
auch wirklich funktioniert, ist Joan mit der Rückverwandlung dran. Wenn
er hier auch sparsam damit war, seine Gefühle ihr gegenüber
einzugestehen, ist Future in dieser Geschichte trotzdem einen Schritt
weitergegangen: Er hat Joan letztendlich eine Partnerschaft versprochen. Daß diese Episode
tatsächlich Auswirkungen hat, lernen wir in einer kurzen Szene der
vorletzten CF- Geschichte, die hier auf keinen Fall vergessen werden
sollte: "Ein Gefährliches Geheimnis". Key
Story No. 4: Ein gefährliches Geheimnis Die
gesamte Future-Mannschaft inclusive Joan und Ezella (sowie zwei
Wissenschaftlern) beschäftigt sich zur Abwechslung mal mit Archäologie,
d. h. mit der Untersuchung einer Ruinenanlage auf dem Uranus- Satelliten
Titania. Mit von der Partie ist auch Ken (was soll der hier?). Wieder gibt
es "Hüttenzauber" und Lagerfeuerromantik, diesmal nicht von der
improvisierten Sorte, und außerdem ein paar facts über unsere
Lieblings-Untersuchungsobjekte obendrein. Dass
wir mit dem "Familienleben" nicht ganz so falsch liegen, wird in
der Szene klar, in der Future ("Papa") spät abends draußen vor
der Hütte sitzt und die Inschrift der Grabstele entziffert. Das
Lagerfeuer lodert und zeichnet flackernde orange Lichtreflexe in sein
Gesicht. Er ist jedoch ganz konzentriert und notiert sich seine
Ergebnisse auf einem Notepad. Das
Familienidyll geht jedoch weiter. Beim gemeinsamen Essen steht Joan, dem
damaligen Zeitgeist entsprechend, am Herd, während die anderen schon
futtern. Ezella lobt ihre Fortschritte in Bezug auf ihre Kochkunst, und
meint, daß sie demnächst gut genug wäre, um heiraten zu können. Bei
dieser "Neckerei" beläßt er es jedoch nicht, sondern setzt
noch einen obendrauf, um Joan aufzuziehen: Nämlich, daß er, Ezella,
Future beneiden würde, da der nach der Heirat (mit Joan) täglich in
diesen Genuss kommen würde... Joan wird natürlich rot, wie sollte sie
auch anders! Man beachte dabei ihre geradezu riesengroß gezeichneten
Augen. Aber auch sie verkneift sich das "Klimpern" mit den
Lidern - und das Demento obendrein! Auch hier können wir annehmen: Warum
leugnen, wenn doch sowieso schon jeder Bescheid weiss...;-) Daß
sowohl Future als auch Joan bei Ezellas anzüglichen Bemerkungen
sprichwörtlich nicht mehr "mit der Wimper zucken" (das untrügliche
Zeichen für Gefühlsaufwallungen bei den beiden), spricht Bände - denn
über feststehende, d. h. offensichtlich bekannte und verifizierte
Tatsachen lohnt es sich nicht mehr, zu diskutieren, geschweige denn, zu
protestieren. Es hinnehmen ist das einzige, was man in diesem Fall tun
kann, ohne, daß es peinlich wird...;-) Fassen wir Futures Verhalten gegenüber Joan also zusammen: Wir können ihm Schwierigkeiten im Umgang mit Joan unterstellen, weil ihm in der entscheidenden, d. h. prägenden Phase der Entwicklung entsprechende Sozialkontakte fehlten. Er kompensiert das mit distanziertem Verhalten. Emotional in die Ecke gedrängt, neigt er wie jeder andere zu Übersprungshandlungen. Seine wahren Gefühle schimmern jedoch immer wieder unter seinem Deckmäntelchen der Distanziertheit durch und offenbaren sich durch kleine Details und Gesten. Eigentlich ist er rasend verliebt in Joan! Außerdem versucht
die deutsche Textfassung, uns zu verar...en, indem der Dialog verleugnet,
was die Bilder dann doch verraten...;-)) [1] Womit wir eigentlich zu der Feststellung gelangen, dass Future sich nie "abgenabelt" hat – normalerweise verlassen junge, flügge gewordene Erwachsene irgendwann das elterliche "Nest" und ziehen in die Welt hinaus, um endlich eine eigene Wohnung zu beziehen, ein eigenes Leben zu leben und auf eigenen Füßen zu stehen. Future nicht – er nimmt damit die Entwicklung vorweg, daß erwachsene Kinder heutzutage immer öfter die Sicherheit der Unselbständigkeit der unabwägbaren Selbstverantwortlichkeit vorziehen und Untersuchungen zufolge so lange wie möglich im "Hotel Mama" (ausgebautes Dachgeschoß, ausgebaute Kellerwohnung – die Beispiele sind Legion) verbleiben – nur eine Ausprägung des sogenannten "social cocooning"... [2]
gemeint ist ein vermehrter Lidschlag – also häufiger als normal und
somit auffällig... [3]
...woraus sich prinzipiell nun ergibt: Wenn es ihn jetzt so dermaßen
heftig "erwischt" hat, daß es ihm eine solche Bemerkung
wert ist, folgt daraus für sein bisheriges Liebesleben: (a) entweder
hatte er vorher noch keines :-( ,
(b) wenn er vorher eines hatte, dann war dies eher triebgeprägt
(one-night-stands?). Für den Fall (b) gibt es aber noch die Möglichkeit,
daß er jetzt mit Joan dann wohl endlich die "Frau für's
Leben" gefunden hat, so wie sein Vater damals per Zufall der
"Richtigen" begegnet ist – und der Verweis auf seine
Eltern dient dazu, die Richtigkeit seiner Wahl zu bestärken... [4]
...und wer genau hinhört, dem kann die tiefe Genugtuung über diese
Tatsache in Futures Stimme nicht entgehen! [5]
Einen "Manga"-Kuss zwischen den beiden gibt es sehr wohl: In
der Geschichte "Der sterbende Planet", Bastei-Comic Nr. 10 [6]
Und wieder darf man Intimität nicht mit sexuellem Kontakt
verwechseln! Intimität setzt Nähe und Vertrauen voraus, eine
"schnelle Nummer zwischendurch" nicht unbedingt... [7]
zumindest im nördlichen Teil (Germanen, Angeln und Sachsen) der westlichen Welt [8]
Desmond Morris: "Der Mensch, mit dem wir leben" [9]
Interessant wäre hier noch, zu wissen, ob diese Form der
Kopf-zu-Kopf-Berührung im japanischen Kulturraum eine andere
Bedeutung hat. Bleiben wir jedoch bei der westlichen Interpretation
– schließlich wurde die Serie für den Export in genau diese Region
gefertigt. [10]
...das ist die harmlosere Interpretation der Angelegenheit! Hier die
weniger harmlose Erklärung: Auch wir Menschen funktionieren über Düfte
– was man deutlich merkt, wenn man diesen oder jenen Zeitgenossen
"nicht riechen" kann. Was aber hat das mit Partnerschaft zu
tun? Sowohl im Tierreich als auch bei uns Menschen dienen bestimmte
Duftstoffe, die für unsere Nasen eher stinken wie z. B. Moschus, zur
Partnerwahl (deshalb "Sexuallockstoffe", d. h. Pheromone).
Anhand des "richtigen" Dufts suchen wir den passenden
Partner (s. o.), wobei unser Körper raffinierterweise diejenigen
potentiellen Partner für uns besonders angenehm "duften" lässt,
deren Immunsystem von unserem weitmöglichst abweicht (damit die
Funktion des Immunsystems unserer Nachkommen sichergestellt wird, da
es über das Prinzip der größtmöglichen genetischen Vielfalt
arbeitet). Anhand des Geruchs wird bei vielen Säugern auch die
Paarungsbereitschaft (des Weibchens) überprüft. Wenn also Future
sein Kinn in Joans Haar vergräbt, bekommt er garantiert einige
Duftmoleküle mit, wenn auch die "beschnupperte" Region für
diesen Zweck eher atypisch ist...! [11]
Indirekt macht er Joan damit zum "Chef" (dem er Rechenschaft
ablegt)! Was wollen uns diese Worte sagen? [12]
Eigentlich ist er immer ernst, wenn es um Gefühle geht ...es spricht
nicht unbedingt gegen ihn. Es bedeutet immerhin, daß er nicht
leichtfertig damit umgeht! [13]
Ungefährliche, d. h. harmlose Dinge sind langweilig und machen keinen
Spaß. [14]
Wenn wir ehrlich sind, impliziert das Fehlen einer möglichen Störung
leider das Gleiche, nämlich, daß es keine Störenfriede mehr gibt,
die dazu in der Lage wären. Ergo müsste Future sie vorher alle
beseitigt haben... Das ist die EINE Auslegung des Satzes – wir
bleiben jedoch lieber bei der ANDEREN, denn Ehrlichkeit macht nicht
immer Spaß und ist manchmal unbequem... [15]
Siehe auch den Teil "Hintergründe1" [16] Tja - Kinderprogramm... Leider. Selbst Bond darf - im neuesten Film (Die Another Day) - sich mit Halle Berry im Bett räkeln. Und man sieht wirklich nur wenig! Alle dürfen - nur Future nicht :-((...? Es wird wirklich Zeit für einen abendfüllenden CF-Film, FSK ab mindestens 12. |
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