Future und Joan

Noch ein bischen Psychologie, oder: "No Sex", Leugnen und Video...

  

Wenn auch die Übersetzungen der Romane streckenweise so arg pathetisch geraten sind, daß Nicht-Fans sich schwertun, weiterzulesen, haben die Geschichten dennoch Potential. Vielleicht gerade deswegen, weil sie voll des prallen menschlichen Lebens sind: Da gibt es neben den obligatorischen wissenschaftlichen Rätseln, die zu lösen sind und der natürlich damit verbundenen Gefahr fast alles, was die Gefühlspalette so ausmacht: Liebe, Leid und Leidenschaft, Neid, Habgier, Verrat, Machtansprüche, usw... Andere haben sich hier schon ausführlich dazu ausgelassen. Auch das Gebiet, auf das wir uns nun begeben wollen, ist bereits Thema zahlreicher "Untersuchungen" und Kommentare. Trotzdem wollen wir im Folgenden einen Blick auf die Beziehung der Protagonisten zueinander werfen und mittels Analyse  ein paar neue Aspekte aufdecken.

Schatten der Vergangenheit

Was man immer wieder gerne vergisst, ist die Tatsache, das die "Future-Mannschaft", also Grag, Otho und Simon, nicht nur die Helfertruppe unseres rothaarigen Helden darstellt, sondern auch die Familie[1]. Die WG auf dem Mond ist nämlich das, was übrig war, nachdem Victor Corvo und seine Komplizen Futures Eltern umgebracht hatten, und Curtis blieb mit einem Roboter, einem Androiden und dem körperlosen Gehirn eines alternden Wissenschaftlers im Labor unter dem Krater Tycho zurück. Ob er Grag und Otho als so etwas wie größere Brüder empfunden hat? Die Vorstellung eines "Onkel Grag" und eines "Onkel Otho" scheint mir jedenfalls recht abstrus, im mildesten Falle noch brüllend komisch. Bei Simon dagegen kann ich mir schon eher die "Vaterfigur" vorstellen.

Den Schwerpunkt auf den Bruderaspekt zu legen, ist auch schon deshalb gesünder, da inzwischen bekannt ist, wie Kinder sich entwickeln können, wenn sie hauptsächlich von Erwachsenen umgeben sind und nicht von Gleichaltrigen... Es scheint denn im vorliegenden Falle auch nicht so recht funktioniert zu haben. Im Umgang mit den Altersgenossen wird das dem jeweiligen Entwicklungsstadium entsprechende Sozialverhalten eingeübt, Kontakt mit dem anderen Geschlecht formt zusätzlich noch das Rollenverständnis. Beides muß logischerweise bei Curtis ganz eklatant zu kurz gekommen sein, denn – ehrlich gesagt – ist er ein ziemlicher Egoist und Macho (herrlich in der amerikanischen Video-Fassung des "Herrschers von Megara": Joan darf Future mal wieder nicht begleiten, da er meint, dieses oder jenes wäre zu gefährlich für sie. Joan winkt ihm also hinterher und beschließt in diesem Moment, die besagte Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie ruft dem sich entfernenden Cosmoliner nach, was übersetzt in etwa so lauten würde: "Du musst schon viel Glück haben, wenn Du schneller sein willst als ich - you big, red-haired macho hero!" (Joan hat es also schon in der ersten Folge kapiert, der geneigte Zuschauer braucht da manchmal etwas länger ;-)…) Oder weht uns hier wieder der Zeitgeist entegegen?

Was Future sonst noch so in seiner Jugend getrieben hat, verbleibt im Reich der Spekulation. Hamilton verweist auf die zahlreichen Streifzüge, die er kreuz und quer durch die bekannten und unbekannten Sektoren des Weltraums unternommen haben soll. Dazu muss er allerdings schon dem schlimmsten Kindesalter entwachsen gewesen sein (sagen wir mal – Minimum 16 Jahre, nicht jünger. Ich glaube kaum, daß er – wenn man die merkwürdigen Umstände seiner Jugend bedenkt - ein ausgesprochener Frühentwickler war...). Ergo: Die prägenden Phasen der Entwicklung wird er wohl auf dem Mond erlebt haben, also mit Grag, Otho und Simon als einzige Bezugspersonen.
 
Auch wenn er somit "Ersatz" für seine Eltern hatte, also nicht "alleine" war oder unter Fremden, darf man nicht vergessen, dass der Verlust von Vater und Mutter (oder auch nur einem von beiden) prägt. Nicht umsonst haben Scheidungskinder oft Probleme mit ihren eigenen Beziehungen!
Das distanzierte Verhalten, das Future Joan gegenüber an den Tag zu legen pflegt, entspringt zwar zum einen dem alten Heldenethos "ich darf mich aus quasi beruflichen Gründen nicht binden, um meinen Partner XYZ nicht in Gefahr zu bringen", mag aber andererseits auch durch eine tief verwurzelte Angst vor partnerschaftlichen Beziehungen entstehen. So kann man getrost annehmen, dass er sich im Unterbewusstein einfach "fürchtet", eine enge Bindung einzugehen - er könnte ja wieder "hängen gelassen werden", d. h. die Partnerschaft könnte prinzipiell wieder zerbrechen. Und dass "scheiden weh tut", wie der alte Kinderreim impliziert, braucht man wohl keinem zu erklären... :-)  Was tut Future also? Beziehungen vermeiden. So richtig gelingen tut ihm das aber nicht ;-) Mit Joan hat er so seine liebe Not - und das nicht nur mit ihr (man denke an Shiri).
 
Noch einen Aspekt sollte man bedenken: Hamilton lässt uns leider nicht wissen, wie unser guter Captain zur "Yellow Press" steht. Wenn man davon ausgeht, dass es eine Art kosmische "Bildzeitung" oder "The Sun" auch im Jahre 2500 gibt, wäre eine Figur wie Future und deren Privatleben sicherlich ein gefundenes Fressen. "Who's that girl at his side?" ist die Frage, die in fetten Lettern auf der Titelseite prangen würde. Sicherlich ist Future darauf aus, so etwas zu vermeiden, und gibt sich medienscheu. In Bezug auf seinen Umgang mit Frauen (und den wird er sicherlich gehabt haben, denn als Kostverächter schätze ich ihn nicht ein :-)) wird er wohl auch deshalb vorsichtig sein.

Tja - dass ihm zwar oftmals gefällt, was er an holder Weiblichkeit vor sich sieht, wird auch dem unaufmerksamsten Betrachter klar. Dass die stets praktizierte Distanz Ausdruck einer – zumindest auf diesem speziellen Gebiet – sozialen Prägung ist, ist jedoch ein naheliegender Schluss, wenn man Futures Vergangenheit kennt!

Futures Verhalten gegenüber Joan

Um die Beziehung zwischen den beiden zu untersuchen, muss man sich die vier Schlüsselgeschichten der Serie näher ansehen (wenn nicht anders erwähnt, handelt es sich um die deutsche gekürzte Fassung. Eine amerikanische 94minütige Videofassung liegt mir nur für den "Herrscher von Megara" vor – leider!)
Die erste ist, wie sollte es auch anders sein, die Pilotfolge "Der Herrscher von Megara".

Key Story No. 1: Der Herrscher von Megara

Hier lernt Joan Future kennen, und sofort wird klar, daß beide etwas füreinander empfinden. Leider ist der deutsche Text zu der netten kleinen Szene in den Seitenstraßen von Megara-City, in der sie, vom Büro des Gouverneurs kommend, eine Weile nebeneinander herlaufen, fürchterlich entstellt und auf Beinahe-Babysprache-Niveau gehalten. Sehen wir uns doch die amerikanische Video-Fassung an – hier sind wir näher an der Wahrheit...  

J

"…For a Confederation agent, you're an extremely unusual man, Captain." (blickt ihn an)  

F

"I'm not an official Confederation agent – I'm just a fun-lovin' freelancer, buzzing around the galaxy with a trio of friends and a glorified tin war machine…"  

J

"You know – you put yourself down an awful lot, Captain, and I think you're being very special."  

F

(bleibt stehen, schaut ihr in die Augen und blinzelt[2] mehrmals): "And I think that you are very special, too, Doctor" (in der amerikanischen Fassung heißt Joan "Dr. Marga")  

J

(wird rot und senkt den Kopf): "ahm, 'Marga' – I mean, don't call me 'Doctor'..." (Joan ist sehr verlegen und blickt weg)  

F  

(lächelt und schaut sie fürchterlich verliebt an): "O. k.... 'Marga' is a beautiful name, and you are a beautiful Doctor."  

J

(hochrot): "Oh, don't tease me." (legt den Finger an die Nase, blickt woanders hin)  

F

(mit der größten Selbstverständlichkeit): " I mean it."  

J

"You do?" (jetzt klimpert Joan, hochrot, mit ihren großen Augen und beginnt zu stottern) "ahm – I –"  

F

(blinzelt wieder mehrmals und starrt sie aus großen dunklen Augen verliebt an)  

J

"Don't look at me like that – ahm – eh" (sie kichert, macht eine fahrige Handbewegung und geht einen Schritt nach vorne)  

F

(offensichtlich verliebt und sehr nachdenklich): "So this is what it's like…. This is how my father felt when he saw my mother, that autumn day in New York…" (und schon blendet die Geschichte in die Vergangenheit)  

Indem Future sagt/denkt "...so this is what it's like - ...." und Joan versonnen, fast verträumt, hinterherblickt, wird zum einen endlich der Übergang zu der nächsten Szene verständlich, in der erzählt wird, wie Roger Newton an einem nebligen Herbsttag seine zukünftige Frau Elaine kennenlernt. Zum anderen aber gibt Future damit zu, daß er sich soeben verliebt hat (aha, so fühlt sich das also an...)![3]

Im Deutschen werden wir leider über diese Tatsache im Unklaren gelassen. Durch den Text kommt hier nämlich der Bezug zustande, daß Future Joan so toll fände, weil sie seiner Mutter ähnelte – Gute Güte, das ist absurd! (Obwohl ich natürlich nicht ganz ausschließen kann, daß Future durch die seltsamen Umstände seiner Jugend in Bezug auf Partnerwahl und Bindungsfähigkeit einen "Hau" abbekommen hat – aber einen Ödipuskomplex will ich ihm dann doch nicht unterstellen, das wäre ein wenig zu weit hergeholt.)  Der amerikanische Text und die Bilder passen jedoch so gut zusammen, daß man fast gar nicht anders kann, als zu vermuten, daß sich hier um eine direkte Übersetzung handelt.

In den folgenden Episoden legt Future in Bezug auf Joan wieder die so lieb-gewonnene Distanz an den Tag. Arme Joan! Er lässt ihr keine Chance... (und wir müssen darüber hinaus ohne amerikanische [längere] Vergleichsfassung auskommen und uns auf den deutschen Text beschränken, leider!)  
 
Gottseidank gibt es als nächstes die letzte Geschichte der Ersten Season – "Mitgefangen im Weltall". Und schon gleich zu Beginn der Episode geht der Beziehungswirrwarr in die Vollen:

Key Story No. 2: Mitgefangen im Weltraum

Joan hat sich freiwillig zur Begleitung eines Gefangenentransports gemeldet. An Bord geht mit ihnen eine Auswahl der gefährlichsten Verbrecher mit dem Gefängnisplaneten Kelvis als Ziel. Zusammen mit Ezella Guerney (ja, ja, sorry, ich weiß, das ist die nicht-korrekte Misch-Schreibweise) überwacht sie das "embarking", das "Einladen" der menschlichen "Fracht".

Schnitt: Wir sehen eine nachlässig, d. h. fast schludrig gelandete COMET, eine hastig aufgerissene Luke und einen aus dem gerade zum Stillstand gekommenen Raumschiff stürmenden Captain, der noch nicht einmal seine Freunde beachtet, die ihm hinterherrufen. In nullkommanix hat er einen Gleiter beschlagnahmt, rast zum entsprechenden Gate und springt aus dem Gefährt, sobald er den Flugsteig erreicht hat. So eilig hat man/frau es nur, wenn es wirklich wichtig ist...

Vor Ort beginnt er gleich damit, zu versuchen, Joan von ihrem Vorhaben abzubringen – jedoch vergeblich. Joan fühlt sich stark mit Ezella an ihrer Seite und lässt Future einfach abblitzen (wundervolle Szene!). Auch wenn den Zeichnern da Futures Gesichtszüge ein wenig entgleist sind (die korrekte Physiognomie wäre eine andere gewesen) – gerade die etwas misslungene oder vielleicht auch kindgerechtere Übertreibung macht es um so deutlicher, wie sehr ihn, Future, diese Tatsache verstört. Anders lässt sich seine Reaktion nämlich kaum erklären: Er beschließt, einfach eigenmächtig und unangekündigt an Bord zu kommen und den Transport ebenfalls zu begleiten.

Einschub... Was ich immer wieder klasse finde: Seine Crew kennt ihren Captain durch und durch, d. h. sie haben ihn durchschaut... Denn als Future auf der anderen Seite der sich gerade schließenden Luke des Raumschiffs "Balcan" unsanft Bekanntschaft mit dem Boden macht, bekommt er gemeldet, daß der Rest seiner Mannschaft auch schon da sei... ;-) Nachtigall, ick hör' Dir trapsen... (es gab da mal eine deutsche Gruppe zur besten Zeit der Neuen Deutschen Welle, die sangen "Verliebte Jungs". Man muß das Lied nicht gutfinden, der Refrain aber passt!)

Im Navigationsraum lässt Joan dann ihrem angeblichen Unmut über diese Future sehr zu eigene Art der Bevormundung aus, doch der schafft es in diesem Moment nicht, zu kontern. Vielleicht will er es auch gar nicht... Ein lahmes, ja fast freudig geäußertes "Schimpfen nützt jetzt auch nichts mehr!" ist alles, was ihm dazu einfällt[4] – weil die Erleichterung so groß ist? Daß dem wohl so sein muss, lernen wir aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. Bevor wir uns dem jedoch zuwenden, schnell noch Joans Reaktion: Als sich die Tür hinter ihr wieder geschlossen hat, schüttet sie sich aus vor Lachen über die Tatsache, daß Curtis zur Abwechslung jetzt ihr nachläuft. Endlich dreht sich der Spieß mal um! Aber wir als Zuschauer wissen ja alle: Im Grunde ihres Herzens ist sie dennoch heilfroh, daß er mitgekommen ist... Leider wird sie noch allen Grund dazu haben werden.

Future sind Gerüchte zu Ohren gekommen, daß die Gefangenen während des Transports zum Gefängnisplaneten Kelvis ausbrechen wollen. Und sofort stürzt er sich in die Untersuchung der Angelegenheit. Dies tut er so gründlich und so ausdauernd, daß selbst sein Freund Ezella ihn langsam, aber sicher, für übergeschnappt hält. Warum wohl diese Akribie?

Spät am "Abend", als sich alle auf den Weg in ihr jeweiliges Nachtquartier aufmachen, steht Future einsam und allein an der Fensterreihe eines Gangs und blickt nach draußen in die Dunkelheit des Alls. Was ihm wohl für Gedanken durch den Kopf gehen mögen? Er merkt jedenfalls erst, daß Joan hinter ihm steht, als sie ihn an der Schulter berührt. Arme Joan – jetzt wird sie sich nämlich outen. Sie offenbart ihm, daß sie sich – durch die Erzählungen über den geplanten Aufstand – doch fürchtet. Ist das nur "show", um ihm eine Reaktion zu entlocken, oder wirklich echt? Jedenfalls lässt sie fürchterlich die Schultern hängen und gesteht damit vor ihm ihre Unsicherheit ein. Ein Bild des Jammers ;-)...! Egal, ob das nun gespielt ist oder nicht, Future reagiert tatsächlich darauf: Er legt ihr den Arm um die Schultern. Das ist aber nicht das einzige, was er tut: Es folgt eine Geste, die zwar dem Bestreben der Zeichner entsprungen sein mag, einem Animé-Kuss[5] zu entgehen, an Intimität[6] diesem aber so nah wie nur irgendetwas kommt. Wer nämlich genau hinschaut, wird bemerken, daß Future ganz sanft seine Wange an Joans Kopf reibt.

"Körperkontakt" mit dem Gesicht, von Kopf zu Kopf  – das macht in Nordeuropa keiner, der sich nicht im Stadium einer emotionellen Bindung (zu deutsch: Verliebtheit) befindet und nicht zuvor schon ähnliche Berührungen ausprobiert hat. Der Kopf als Berührungszone ist in der westlichen Welt zwar nicht tabu, sondern durchaus "anfassbar". Das gilt aber nur auf einer bestimmten Ebene und damit auch nur unter genau definierten Umständen!
  
Unter Nicht-Liebenden oder Nicht-Partnern ist der Kontakt mit der Hand (o. ä.) zum Kopf nur dann "erlaubt" und praktiziert, wenn er unter bestimmten Voraussetzungen stattfindet – bestes Beispiel ist das "auf-den-Kopf-Tätscheln" bei Kindern, das viele Politiker, aber auch ungeliebte Tanten und Onkels auf Besuch so gerne machen, oder das "Haare-wuscheln" von Fußballspielern nach einem Tor.
Ein direkter Kopf-zu-Kopf-Kontakt dagegen findet unter Nicht-Liebenden, d. h. Personen, die keinerlei emotionelle Bindung zueinander haben, in der Regel nicht statt (einzige Ausnahme ist das Begrüßungsritual "Küsschen rechts, Küsschen links", das vorwiegend in Südeuropa üblich ist).

Der Grund für das Fehlen eines Kopf-zu-Kopf-Kontaktes unter Nicht-Liebenden ist ganz einfach: Weil es "unschicklich", d. h. zu intim, wäre. Täten sie es doch, würden sie damit das Vorhandensein einer Beziehung (im Sinne von Partnerschaft) offenbaren. So etwas "just for fun" zu machen, wäre entweder unangebracht (peinlich) oder würde plötzlich Tatsachen schaffen (was genauso peinlich sein kann)...

Tja, die (ungeschriebenen) Regeln[7] sind nun mal so. Der allgemeine gesellschaftliche Konsens erlaubt sogar nur bestimmte Berührungszonen zwischen Eltern und Kindern, die sich doch auch "recht nahe" stehen, wenn auch wiederum auf einer anderen Ebene. In den verschiedenen Stadien einer emotionellen Bindung, sprich, des Verliebtseins, wird der Körperkontakt dagegen geradezu gesucht und demonstrativ zur Schau gestellt (z. B. im Frühjahr all' die eng umschlungenen, heftig schnäbelnden Pärchen auf den Parkbänken). Wer sich ausführlicher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dem sei das Buch von Desmond Morris über das menschliche Verhaltensrepertoire[8],[9] empfohlen.

Halten wir also fest: Diese Art Geste impliziert eine gewisse Intimität oder emotionelle Bindung (Liebe), folglich traut sich nur jemand, sie zu verwenden, der entsprechend emotional involviert ist ;-)...

Beide träumen in der nachfolgenden Sequenz von einem gemeinsamen Ballabend – entsprechend dem Stil der Zeit "aufgerüscht" (über Geschmack kann man streiten... ;-)). Aber: Tanzen tut man nicht mit jedem! Auch hier gilt wieder, daß man nur bestimmte Personen (und nur in bestimmten Situationen) so nahe an sich heranlässt. Erinnern wir uns an den Ekel in der Tanzstunde, wenn man diejenige auffordern musste, die diese hässliche dicke Hornbrille trug, müffelte und deshalb als einzige übrig geblieben war, oder von demjenigen aufgefordert wurde, der diese unsympathisch verschwitzten Hände hatte und das Rhythmusgefühl eines Holzklotzes. Ergo: Sympathie muß beim Tanzen mit im Spiel sein, sonst klappt's nicht (mit dem Nachbarn, äh, Tanzpartner).
Übrigens: Walzer tanzen galt früher einmal als sehr unschicklich, weil die Tanzpartner sich dabei so nahe kommen! Uh, ah... ;-)  Allerdings ist der Walzer vom Typ der Bewegung her hier nur angedeutet, denn der 4/4-Takt der Begleitmusik Christian Bruhns ist eindeutig eine Rumba.

Leider macht Future anschließend alles wieder kaputt, indem er Joan fragt, ob er etwas für sie tun könne, da sie so nervös sei. Ach, Curtis! Doch wir müssen Dir verzeihen, ja, wir sind sogar gezwungen dazu, denn das war eindeutig die Notbremse, buchstäblich in allerletzter Sekunde...!

Zählt man alles Vorherige zusammen, erhält man nämlich einen Gefühlscocktail, der gerade ganz heftig am Brodeln ist, kurz vor dem Überkochen sozusagen. Und in diesem Falle hätten wir vielleicht doch noch das Vergnügen gehabt, den ersten Kuss zwischen den beiden zu erleben (so mächtig, wie es da gefunkt hat...), und Future wäre danach bestimmt nicht alleine in seine Kabine zurückgekehrt... Schade, schade, schade. Toei Doga gönnt uns aber auch gar nichts :-((

"Mitgefangen im Weltall" hat aber sonst auch noch einiges zu bieten. Nachdem die "Balcan" auf dem instabilen Planeten gestrandet und in der Lava versunken ist, richten sich die Überlebenden mit Hütten à la Maui-Feeling mehr oder weniger gemütlich ein.

Des abends glüht dann der Horizont im letzen Strahl der sinkenden Sonne, und das Lagerfeuer wirft zuckende Schatten über die Lichtung. Bingo, denken wir unwillkürlich und folgerichtig: Jetzt kommt Romantik... Und wir werden nicht enttäuscht.

Joan steht in einiger Entfernung vor einer dieser Hütten, und Future tritt zu ihr. Während der nun folgende deutsche Dialog mal wieder auf das Niveau von Sechsjährigen abgleitet (und mir leider kein amerikanisches Video als Vergleich dazu vorliegt), legt er ihr den Arm um die Schultern und zieht sie ein wenig zu sich heran, wie um sein Kinn in ihrem Haar zu vergraben[10] (eine recht ähnliche Geste, die wiederum eine gewisse Intimität voraussetzt - bezeichnenderweise ist in diesem Moment gerade von der "gestörten Balance" zwischen Planet und Mutterstern die Rede, *lol* ;-)), wobei Joan für einen Moment die Augen schließt. Future blickt ernst und angestrengt (jetzt bloß keine Fehler machen!) in Richtung Horizont.
Schnitt: Wir sehen sie beide dort draußen, eng umschlungen, d. h.  sich dabei gegenseitig (!) umarmend – das ist neu! Das ist gut.... Jedoch - liegt dieser plötzliche Beweis von Zuneigung von Seiten Futures vielleicht an der üblen Situation, in der sie sich befinden? Gestrandet unter Verbrechern, im Nirgendwo? Frei nach dem Motto: Gefahr schweißt zusammen, und er will Joan nur ein wenig trösten? Eigentlich kann es das nicht so richtig sein, denn die beiden haben sich schon in schlimmeren Situationen befunden. Außerdem würde sich Future dann, ganz matter-of-fact-mäßig, jegliche darüber hinaus gehende Intimität verkneifen. Generell gilt hier also wieder das vorhin über den Kopf-zu-Kopf-Kontakt gesagte: Stadium schwerer Verliebtheit. Und Future traut sich endlich mal, das auch zu zeigen.

Das war's dann auch schon wieder mit den tiefen Gefühlen. Doch nicht verzagen – es gibt noch eine Geschichte, die Nettes und Erleuchtendes über die Beziehung der beiden bietet: "Die Elektromenschen".

Key Story No. 3: Die Elektromenschen

"Die Elektromenschen" ist eine der wenigen Folgen, in denen Joan einen eigenständigen Auftrag wahrnimmt (siehe auch den Teil "Hintergründe"). Leider wird sie, zusammen mit Ezella, von den Elektromenschen gekidnappt, und Future wird auf den Fall angesetzt, um den Karren mal wieder aus dem Dreck zu ziehen. Der Besatzung der COMET ist jedoch das gleiche Schicksal beschieden wie Joan und Ezella: Kaum auf dem Planeten im Inneren des Halleyschen Kometen gelandet, werden sie gefangengenommen.

Einschub... Die vier werden ins Gefängnis geworfen, netterweise in die gleiche Zelle, die auch Ezella seit geraumer Zeit bewohnt. Szene: Future liegt ohnmächtig auf dem Boden (nein, Bewusstlosigkeit ist etwas anderes!) und Ezella hampelt mehr oder weniger verzweifelt auf (!) ihm herum, um ihn wieder wach zu kriegen. Wenn man nicht wüsste, daß zwischen den beiden "nichts läuft" – hier wäre der Moment, einen entsprechenden Verdacht zu bekommen....;-)

Auf die Frage, wo denn Joan sei, antwortet Ezella sinngemäß, daß er noch nicht einmal in der Lage gewesen sei, eine Frau zu beschützen. Ach, Ezella... diese Selbstanklage erhebst Du doch nur, weil Du genau weißt, was Joan Future bedeutet...! Future ist unruhig, ihm gefällt diese Nachricht natürlich nicht. Der Zustand hält aber nicht lange an, da er höchstpersönlich zum König der Elektromenschen befohlen wird.
Auf dem Weg dorthin erkennt er Joan in der Reihe der "Höflinge" – sie ist also ein Elektromensch geworden... Entsetzt rennt er sofort los, seine Bewacher ignorierend, doch bei ihr angekommen, warnt sie ihn, sie nicht anzufassen. Future kann es jedoch nicht lassen (Hormonstau?) und kriegt dementsprechend "eine gewischt", d. h. einen elektrischen Schlag.

Man beachte nur seine Augen! Ungläubig starrt er sie an, kann es einfach nicht fassen – und dabei sind seine Pupillen viel kleiner gezeichnet als sonst. In dem die Szene begleitenden Dialog muß Joan ihn natürlich anlügen und so tun, als wäre es das Größte, als Elektromensch zu leben, da sie weiß, daß sie beobachtet wird. In ihr vorgebliches Schwärmen mischt sich aber auch echtes Gefühl, als sie ihm ausmalt, wie sie zusammen auf diesem Planeten leben könnten. Future kapiert jedoch gar nichts – und nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat die deutsche Synchro den Text schlichtweg verändert, oder Futures Ego kommt nicht damit klar, daß "seine" Joan tatsächlich gehandelt hat und ein Elektromensch geworden ist (aus was für Gründen auch immer). Zu glauben, daß sie zum "Feind übergelaufen" ist – so dumm kann Future doch nicht sein, oder? Er ist es leider, zumindest laut deutscher Fassung. Hier würde mich mal interessieren, was das amerikanische Video an dieser Stelle dazu meint...

Die Geschichte entwickelt sich weiter und bietet andere in Bezug auf Futures Psyche aussagekräftige Aspekte: Zwischendurch, während seiner Gefangenschaft in der turmähnlichen Zitadelle der Allus, sehen wir einen sehr menschlichen (nämlich seiner nonchalanten Besserwisserei und Coolness entledigten) Future, der – von Selbstzweifeln und Muffensausen geplagt, seiner Sache gar nicht mehr so sicher ist.

Es kommt noch besser: Nachdem die Allus ihn gefoltert haben und durch seine "Erfindung" des Begriffs einer Thermischen Konstante verunsichert sind, beschließen sie, auch Joan zu foltern, um über diesen physikalischen Begriff Klarheit zu erhalten. Ein wunderbares Druckmittel, da sie mitbekommen haben, daß er "sich für die blonde Frau sehr interessiert"... Future, der just in diesem Moment wieder die Augen aufschlägt, gibt daraufhin sofort klein bei (!) und versucht, zu retten, was noch zu retten ist. Zu spät – die Allus lassen sich nicht davon abbringen! Und wir sehen einen vollkommen entsetzten Captain, der zittert, als im klar wird, was als nächstes passieren wird... So arg in der Klemme, die nackte Angst in den Augen, haben wir ihn wirklich noch nicht erlebt.
Die Rettung naht gottseidank in Form der Kavallerie (Grag und Otho)...

Es kommt schließlich, wie es kommen muß: Da es keine andere Möglichkeit gibt, in das Zentrum der Feinde einzudringen, um ihnen den "Energiehahn" abzudrehen (die Leitungen, mit denen die Allus an ihren Generator gekoppelt sind), beschließt auch Future, die Umwandlung in einen Elektromenschen auf sich zu nehmen. Das Experiment glückt. Mit fahlem Teint, keilförmiger Nasenwurzel und den beiden obligatorischen Schläuchen am Hals versehen, wankt Future aus der Maschine und macht sich auf (noch etwas zittrig auf den Beinen nach der Prozedur), um den Bösen endlich das Handwerk zu legen. Nach echter Heldenmanier durchtrennt er in mühsamer Kleinarbeit die "Zuleitungen" der Allus mit einem Vierkantrohr. Joan kommt hinzu und hilft ihm dabei, doch sie wird angegriffen, was Futures Bestrebungen sofort intensiviert. Die Allus haben letztendlich keine Chance...;-)

Schnitt: Ruhe nach dem Sturm...  Joan, völlig fertig, kauert auf allen Vieren am Boden (ein echtes Bild des Jammers). Future rennt sofort zu ihr hin; das Metallrohr fällt mit einem lauten Scheppern zu Boden, wo es schließlich liegen bleibt. Die Kameraführung und auch die Hintergrundmusik lassen es wiederum ahnen: Jetzt kommt Romantik...;-)
Future kniet nieder und blickt Joan an.
JAAA!! denken wir alle in diesem Moment, voller Vorfreude, händereibend, fähnchenschwenked (go, Curtis, go!!!), im Geiste skandierend wie beim alles-entscheidenden Tor kurz vor der Weltmeisterschaft.... Jetzt ist endlich die Gelegenheit, Curtis! Greif zu!

Und anstelle sie sofort in die Arme zu nehmen, was die natürliche Reaktion gewesen wäre, bleibt er VOR ihr knien und erstattet ihr (unter heftigem Lidschlag und Klimpern mit seinen Augen) Bericht (!) – wir fassen es nicht! – nämlich, daß der Feind endlich besiegt ist und nun keinen Schaden mehr anrichten kann. Ach, Junge, was machst Du da bloß...!
Ist er von allen guten Geistern verlassen?

Seine Augen, genauergesagt, der wiederholte heftige  Lidschlag, verraten ihn und liefern uns die Erklärung: Das tut er nämlich immer dann, wenn seine Gefühle gerade Amok laufen (mal darauf achten!). Future befindet sich eindeutig im "emotional overflow", d. h. seine emotionale Rechenkapazität ist zu 100 % ausgelastet und damit im Streik. Was, um Gotteswillen, soll er jetzt tun? Sie in die Arme nehmen oder doch ignorieren? Schwierige Entscheidung... Am einfachsten ist etwas, das er gut kann und das keine besondere Anstrengung oder Aufmerksamkeit erfordert. Also spult er das "business-as-usual-Programm" ab, nämlich den Statusbericht[11]: Hiermit erkläre ich, daß ich ordnungsgemäß meinen Auftrag erledigt habe...

Der Biologe nennt dies "Übersprungshandlung". Mit diesem Begriff bezeichnet man eine unwillkürlich ausgeführte Handlung bei zwei widersprüchlichen oder sehr starken, entgegengesetzten Reizen, die mit den Reizen selbst oder den auslösenden Ursachen inhaltlich nichts zu tun hat. Diese Handlung dient nämlich einzig und allein zum Abbau von Spannungen oder Reizüberflutungen, damit das Hirn wieder frei ist für andere, wichtige Entscheidungen.
Solches Verhalten ist im Tierreich und auch bei den Menschen nicht selten. Eine kurze Erläuterung anhand von Platzhirschen: Zwei Geweihträger, die um ein Weibchen konkurrieren und nicht direkt entscheiden können, ob sie jetzt gegeneinander kämpfen (weil der Hormonstau groß ist) oder besser doch fliehen (weil vielleicht einer von beiden deutlich schwächer ist) sollen, fangen z. B. an, sich zu putzen, was unter den gegebenen Umständen als völlig absurd erscheint... Läutet da nicht was? Nachtigall? ;-)

Joan muß jedoch stärkere Geschütze auffahren, um ihm eine definitive Aussage in die eine oder andere Richtung zu entlocken, und so spricht sie das Thema "Bleibenmüssen auf dem Planeten" an. Ritterlich verspricht Future ihr, bei ihr zu bleiben, und umfasst ernsten Blickes[12] ihre Hand.

Ach, warum hat diese Szene bloß so einen schalen Beigeschmack...? Es ist die alte Distanz, die uns zusammenzucken lässt. Kein Mensch würde so mit Joan umgehen – nur Future tut es mal wieder...  Joan jedoch scheint es vorerst zu reichen, und sie wirft sich an seine Brust.

Warum macht er das? Haben wir es hier wieder mit der "Notbremse" zu tun? Diese Möglichkeit entbehrt nicht einer gewissen Logik, wenn man seine Angst um Joan bedenkt, die ihn während der ganzen Geschichte umtreibt. Und sie macht uns auch das um 180° gedrehte Verhalten der beiden in der nächsten Szene verständlich.

Schnitt: Grag und Otho betreten den Ort des Geschehens, und als sie merken, was dort "abgeht" (Joan in Futures Armen), fangen sie augenblicklich an, herumzustottern – allerdings nicht ohne eine gewisse Portion Genugtuung in der Stimme. Future, der seine Hand auf Joans Haar gelegt hat, bedient sich jedoch des gleichen Prinzips, als er – offensichtlich alles andere als über die Störung unglücklich – kopfschüttelnd kommentiert "Ach, diese beiden...!" Irgendwie drängt sich einem das Gefühl auf, daß er die Situation genießt....Tja, ertappt werden hat manchmal etwas ;-) Wenn er in diesem Moment wirklich so innerlich distanziert gewesen wäre, wie es aussieht, hätte sein Spaß am "erwischt-werden" keinen Sinn[13]. Und nicht genug des Ganzen: Man beachte die erstaunliche Wandlung Joans vom "Bild des Jammers" zum demonstrativen Stolz, als Grag und Otho sie so mit Future sehen...;-)

Es sind immer wieder die kleinen Details, die hier die stärkste Aussagekraft haben, und das auch noch mit System. Eine richtige Umarmung verkneift Future sich, schwelgt dann aber in den Kleinigkeiten... das Prinzip des Minimalismus? Er scheint sich darauf spezialisiert zu haben, frei nach dem Motto "lieber sparsame Gesten als große Worte".

Trotzdem, gegen "Mitgefangen im Weltraum" kann diese Szene nicht wirklich "anstinken";-)

Noch ist die Geschichte aber nicht zuende. Joan hat bis jetzt nicht gekriegt, was sie wollte, und verständlicherweise setzt sie also noch einen obendrauf. Future und Simon haben inzwischen eine Möglichkeit entwickelt, die Elektromenschen wieder in normale Menschen zurückzuverwandeln (wie sollte es auch anders sein). Nachdem sich ihr ehemaliger Bewacher als Testobjekt zur Verfügung gestellt und damit bewiesen hat, daß die Sache auch wirklich funktioniert, ist Joan mit der Rückverwandlung dran.
Rückverwandlung - wie bitte? Das bedeutet KEIN gemeinsames Leben mit Future auf diesem Planeten, wie sie gehofft hatte, sondern Rückkehr zum gewohnten Trott (und damit zur gewohnten Distanz). Dementsprechend deprimiert ist sie denn auch. Später, an Bord der COMET, traut sie sich schließlich, die Sache beim Namen zu nennen, und outet sich und ihre Gefühle damit zum wiederholten Male (eigentlich ist sie ganz schön mutig!). Und jetzt kommt das wirklich Nette: Entgegengesetzt zu Hamilton, laut dem Future erst dann für Joan da sein will, wenn er alles Böse ausgerottet hat, sagt er hier, daß sie beide bestimmt einen Ort finden, wo sie beide leben könnten und keiner ihren Frieden stören würde – nämlich ganz ohne die vorherige Einschränkung des Buchtextes (Bedingung ist die vorherige "Erlösung des Universums von allem Übel", also ein glatter Verweis auf den Sankt-Nimmerleins-Tag)[14]. Er ballt zwar dabei die Faust (eine Geste wilder Entschlossenheit und typisch für Future – süß, aber dennoch fehl am Platze), dann aber lässt er sich doch noch zu einer Umarmung (wenigstens auf Schulterhöhe) hinreißen...

Wenn er hier auch sparsam damit war, seine Gefühle ihr gegenüber einzugestehen, ist Future in dieser Geschichte trotzdem einen Schritt weitergegangen: Er hat Joan letztendlich eine Partnerschaft versprochen.
Ein Spannungsbogen hat sich vom Anfang (Kennenlernen) über die Mitte (Outen, also der Spannungshöhepunkt) bis hin zum Vertiefen (Persönlichkeitsstudie, Versprechen) aufgebaut. Im Prinzip könnte Joan sich jetzt seiner sicher sein...  

Daß diese Episode tatsächlich Auswirkungen hat, lernen wir in einer kurzen Szene der vorletzten CF- Geschichte, die hier auf keinen Fall vergessen werden sollte: "Ein Gefährliches Geheimnis".

Key Story No. 4: Ein gefährliches Geheimnis

Die gesamte Future-Mannschaft inclusive Joan und Ezella (sowie zwei Wissenschaftlern) beschäftigt sich zur Abwechslung mal mit Archäologie, d. h. mit der Untersuchung einer Ruinenanlage auf dem Uranus- Satelliten Titania. Mit von der Partie ist auch Ken (was soll der hier?). Wieder gibt es "Hüttenzauber" und Lagerfeuerromantik, diesmal nicht von der improvisierten Sorte, und außerdem ein paar facts über unsere Lieblings-Untersuchungsobjekte obendrein.

Ezella (eindeutig kein Wissenschaftler), lernen wir als erstes, wurde von Future zu dieser Expedition mitgenommen, da er sich auf Titania so gut auskennt. Aber warum, zum Henker, ist Joan dabei (von Ken ganz zu schweigen)? Weil sie über so unglaubliche archäologische Kenntnisse verfügt ;-) ? Ach was, Futures Erklärung dafür ist arg fadenscheinig... Ezella liegt absolut richtig, als er entgegnet, Future habe Joan doch nur mitgenommen, um eine Gelegenheit zu finden, mit ihr zusammenzusein. Future dementiert zwar pflichtgemäß, doch reichlich ohne verve.  Warum auch? Dinge, die so dermaßen offensichtlich sind, kann man schlecht verleugnen...;-) ! 
Wenn man es genau bedenkt, ist hier der ganze Future-Clan versammelt: Joan, Ken, Curtis, Grag, Otho und Simon. Spätestens jetzt aber muss man anfangen, zu unterscheiden - in die "Idealfamilie" Joan, Ken und Curtis[15], und die "Kernfamilie" bzw. Mond-WG Grag, Otho, Simon und Curtis (Schnittmenge = Future, haben wir aus der Grundschule noch in Erinnerung). Oh, Nachtigall...

Dass wir mit dem "Familienleben" nicht ganz so falsch liegen, wird in der Szene klar, in der Future ("Papa") spät abends draußen vor der Hütte sitzt und die Inschrift der Grabstele entziffert. Das Lagerfeuer lodert und zeichnet flackernde orange Lichtreflexe in sein Gesicht.  Er ist jedoch ganz konzentriert und notiert sich seine Ergebnisse auf einem Notepad.
Da tritt Joan ("Mama") zu ihm heran und reicht ihm eine Tasse Kaffee. Sofort entspannen sich seine Gesichtszüge, seine Augen leuchten (wenn auch er nicht "blinzelt"), und wir als Zuschauer warten eigentlich nur noch auf das obligatorische  "Danke, Schatz"... ;-)))
Wir werden natürlich enttäuscht ;-(   - wissen jetzt aber endlich, warum Ken dabei ist ("Familie" impliziert das Vorhandensein von Kindern, also übernimmt Ken diese Rolle ;-) Schließlich wird Ken ("Sohn") von Joan stilecht zu Bett gebracht...)

Das Familienidyll geht jedoch weiter. Beim gemeinsamen Essen steht Joan, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, am Herd, während die anderen schon futtern. Ezella lobt ihre Fortschritte in Bezug auf ihre Kochkunst, und meint, daß sie demnächst gut genug wäre, um heiraten zu können. Bei dieser "Neckerei" beläßt er es jedoch nicht, sondern setzt noch einen obendrauf, um Joan aufzuziehen: Nämlich, daß er, Ezella, Future beneiden würde, da der nach der Heirat (mit Joan) täglich in diesen Genuss kommen würde... Joan wird natürlich rot, wie sollte sie auch anders! Man beachte dabei ihre geradezu riesengroß gezeichneten Augen. Aber auch sie verkneift sich das "Klimpern" mit den Lidern - und das Demento obendrein! Auch hier können wir annehmen: Warum leugnen, wenn doch sowieso schon jeder Bescheid weiss...;-)
Future dagegen starrt sie einfach nur mit einer Mischung aus Begeisterung und Konsterniertheit an - fast wie hypnotisiert. Daß er den Gedanken gut findet, läßt sich zweifelsohne seinem Gesichtausdruck entnehmen ;-) Wie intensiv (!) ihn das aber beschäftigt (daydreaming!), merken wir dann, als Otho die Hütte betritt, um die Rückkehr der "Lightning" zu melden, denn er reißt Future damit ziemlich abrupt aus seinen Gedanken...;-)

Daß sowohl Future als auch Joan bei Ezellas anzüglichen Bemerkungen  sprichwörtlich nicht mehr "mit der Wimper zucken" (das untrügliche Zeichen für Gefühlsaufwallungen bei den beiden), spricht Bände - denn über feststehende, d. h. offensichtlich bekannte und verifizierte Tatsachen lohnt es sich nicht mehr, zu diskutieren, geschweige denn, zu protestieren. Es hinnehmen ist das einzige, was man in diesem Fall tun kann, ohne, daß es peinlich wird...;-)
Man muß noch nicht mal mehr eins und eins zusammenzählen, um das Gefühl zu bekommen, daß da eigentlich schon eine gefestigte Partnerschaft "am laufen" ist. Auch wenn die beiden nicht zusammen wohnen, innerlich (emotional) ist die Bindung bereits vorhanden.
Schade, daß wir als Zuschauer das eigentlich nicht mitbekommen dürfen, denn wir sind ja erst... Sechs, Sieben? Oder doch schon Zehn ;-) ? [16]

Fassen wir Futures Verhalten gegenüber Joan also zusammen: Wir können ihm Schwierigkeiten im Umgang mit Joan unterstellen, weil ihm in der entscheidenden, d. h. prägenden Phase der Entwicklung entsprechende Sozialkontakte fehlten. Er kompensiert das mit distanziertem Verhalten. Emotional in die Ecke gedrängt, neigt er wie jeder andere zu Übersprungshandlungen. Seine wahren Gefühle schimmern jedoch immer wieder unter seinem Deckmäntelchen der Distanziertheit durch und offenbaren sich durch kleine Details und Gesten. Eigentlich ist er rasend verliebt in  Joan!

Außerdem versucht die deutsche Textfassung, uns zu verar...en, indem der Dialog verleugnet, was die Bilder dann doch verraten...;-))



[1] Womit wir eigentlich zu der Feststellung gelangen, dass Future sich nie "abgenabelt" hat – normalerweise verlassen  junge, flügge gewordene  Erwachsene irgendwann das elterliche "Nest" und ziehen in die Welt hinaus, um endlich eine eigene Wohnung zu beziehen, ein eigenes Leben zu leben und auf eigenen Füßen zu stehen. Future nicht – er nimmt damit die Entwicklung vorweg, daß erwachsene Kinder heutzutage immer öfter die Sicherheit der Unselbständigkeit der unabwägbaren Selbstverantwortlichkeit vorziehen und Untersuchungen zufolge so lange wie möglich im "Hotel Mama" (ausgebautes Dachgeschoß, ausgebaute Kellerwohnung – die Beispiele sind Legion) verbleiben – nur eine Ausprägung des sogenannten "social cocooning"...

[2] gemeint ist ein vermehrter Lidschlag – also häufiger als normal und somit auffällig...

[3] ...woraus sich prinzipiell nun ergibt: Wenn es ihn jetzt so dermaßen heftig "erwischt" hat, daß es ihm eine solche Bemerkung wert ist, folgt daraus für sein bisheriges Liebesleben: (a) entweder hatte er vorher noch keines :-( ,  (b) wenn er vorher eines hatte, dann war dies eher triebgeprägt (one-night-stands?). Für den Fall (b) gibt es aber noch die Möglichkeit, daß er jetzt mit Joan dann wohl endlich die "Frau für's Leben" gefunden hat, so wie sein Vater damals per Zufall der "Richtigen" begegnet ist – und der Verweis auf seine Eltern dient dazu, die Richtigkeit seiner Wahl zu bestärken...

[4] ...und wer genau hinhört, dem kann die tiefe Genugtuung über diese Tatsache in Futures Stimme nicht entgehen!

[5] Einen "Manga"-Kuss zwischen den beiden gibt es sehr wohl: In der Geschichte "Der sterbende Planet", Bastei-Comic Nr. 10

[6] Und wieder darf man Intimität nicht mit sexuellem Kontakt verwechseln! Intimität setzt Nähe und Vertrauen voraus, eine "schnelle Nummer zwischendurch" nicht unbedingt...

[7] zumindest im nördlichen Teil (Germanen, Angeln und Sachsen) der westlichen Welt

[8] Desmond Morris: "Der Mensch, mit dem wir leben", 1977, Droemersche Verlagsanstalt

[9] Interessant wäre hier noch, zu wissen, ob diese Form der Kopf-zu-Kopf-Berührung im japanischen Kulturraum eine andere Bedeutung hat. Bleiben wir jedoch bei der westlichen Interpretation – schließlich wurde die Serie für den Export in genau diese Region gefertigt.

[10] ...das ist die harmlosere Interpretation der Angelegenheit! Hier die weniger harmlose Erklärung: Auch wir Menschen funktionieren über Düfte – was man deutlich merkt, wenn man diesen oder jenen Zeitgenossen "nicht riechen" kann. Was aber hat das mit Partnerschaft zu tun? Sowohl im Tierreich als auch bei uns Menschen dienen bestimmte Duftstoffe, die für unsere Nasen eher stinken wie z. B. Moschus, zur Partnerwahl (deshalb "Sexuallockstoffe", d. h. Pheromone). Anhand des "richtigen" Dufts suchen wir den passenden Partner (s. o.), wobei unser Körper raffinierterweise diejenigen potentiellen Partner für uns besonders angenehm "duften" lässt, deren Immunsystem von unserem weitmöglichst abweicht (damit die Funktion des Immunsystems unserer Nachkommen sichergestellt wird, da es über das Prinzip der größtmöglichen genetischen Vielfalt arbeitet). Anhand des Geruchs wird bei vielen Säugern auch die Paarungsbereitschaft (des Weibchens) überprüft. Wenn also Future sein Kinn in Joans Haar vergräbt, bekommt er garantiert einige Duftmoleküle mit, wenn auch die "beschnupperte" Region für diesen Zweck eher atypisch ist...!

[11] Indirekt macht er Joan damit zum "Chef" (dem er Rechenschaft ablegt)! Was wollen uns diese Worte sagen?

[12] Eigentlich ist er immer ernst, wenn es um Gefühle geht ...es spricht nicht unbedingt gegen ihn. Es bedeutet immerhin, daß er nicht leichtfertig damit umgeht!

[13] Ungefährliche, d. h. harmlose Dinge sind langweilig und machen keinen Spaß.

[14] Wenn wir ehrlich sind, impliziert das Fehlen einer möglichen Störung leider das Gleiche, nämlich, daß es keine Störenfriede mehr gibt, die dazu in der Lage wären. Ergo müsste Future sie vorher alle beseitigt haben... Das ist die EINE Auslegung des Satzes – wir bleiben jedoch lieber bei der ANDEREN, denn Ehrlichkeit macht nicht immer Spaß und ist manchmal unbequem...

[15] Siehe auch den Teil "Hintergründe1"

[16] Tja - Kinderprogramm... Leider. Selbst Bond darf  - im neuesten Film (Die Another Day) - sich mit Halle Berry im Bett räkeln. Und man sieht wirklich nur wenig! Alle dürfen - nur Future nicht :-((...? Es wird wirklich Zeit für einen abendfüllenden CF-Film, FSK ab mindestens 12.