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Allgemeines, Fehler und ein bischen Psychologie"Captain Future" ist ein modernes amerikanisches Märchen, das
alle Aspekte der klassischen "Space Opera"[1]
zitiert: Die Aufteilung in Gut und Böse ist klar abgegrenzt, es gibt
kein "Dazwischen", keine Grauzone. Übergeschnappte
Wissenschaftler, perfide Technokraten und machtlüsterne Herrscher
bilden die Riege der Feinde, deren Übeltaten die Erde bzw. die
Vereinigten Sonnensysteme bedrohen, und Captain Future sorgt mit seinen
Freunden dafür, dass dieser Spuk ein schnelles Ende nimmt. Das Gute
siegt natürlich (sonst hätten wir ja keinen Spaß an den
Geschichten)... Veröffentlicht
wurde die Serie ab 1940, also im sogenannten "Goldenen
Zeitalter" der SF (zwischen 1938 und 1950) und damit zu einer Zeit,
in der in den USA viele Superhelden das Licht der Welt erblickten – zu
Beginn des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945). Vom damals üblichen
zackigen Stil geprägt, geraten die Übersetzungen der
Bastei-Taschenbücher
dann manchmal auch etwas pathetisch.
Aus
Herrn Future, dem Zauberer der Wissenschaft, dem Strahlemann mit dem
gewinnenden Lächeln, den fliegenden Fäusten und einem
Kuriositätenkabinett an Gefährten, wurde Captain Future, der Mensch,
der mit seinen mechanisch-biologischen Freunden auf dem Mond lebt. Müssen wir jetzt traurig sein? Ich glaube, weniger
;-) Die Namen der Hauptakteure wurden weitgehend übernommen, z. T. aber auch durch ähnlich klingende ersetzt. So wurde z. B. aus Joan Randall im Deutschen "Joan Landor", Ezra Guerney musste seinen biblischen Vornamen lassen und wurde zu "Ezella Garny" (wobei Ezella dann doch irgendwie besser klingt, oder?). Simon Wright durfte Namen und Professortitel behalten. Bei Future wurde der Name logischerweise nicht geändert – nur dass er in seinem "Privatleben" eigentlich "Curtis Newton" heißt, wurde in der deutschen Serie nie erwähnt – aber der hartgesottene Fan weiß das ja sowieso. "Grag" und "Otto" wurden ebenfalls in den deutschen Sprachgebrauch übernommen. Bei den anderen Charakteren kam es streckenweise zu abenteuerlichen Wortschöpfungen... In der Vorlage war Joan als Brünette angelegt, wurde in der Verfilmung jedoch zur Blondine. Blonde Mädels sollen angeblich ja mehr Spaß im Leben haben – na ja, ich weiß nicht so recht... Joan ist dafür kein gelungenes Beispiel, es scheint mir eher, dass sie mit Future jede Menge Streß hat. Gut getroffen hat es dagegen Simon, der in der Vorlage zuerst noch nicht "flugfähig" ist und von Grag getragen werden muss, hier jedoch von der ersten Folge an autonom bewegungsfähig ist. Durch
die deutsche Synchronisation ziehen sich eine Menge Fehler, zu denen
Florian Baumann und andere sich schon ausführlich ausgelassen haben
(siehe unter "CF Infobase"). Dies betrifft nicht nur die vertauschte
Sendereihenfolge, sondern auch grobe Schnitzer innerhalb der Erzählung,
die streckenweise auch auf Kosten des Verständnisses gehen. Auch wurde
– die Welt ist nicht genug – mancher Handlungsort (neudeutsch "Location"),
der sich bei Hamilton größtenteils innerhalb unseres Sonnensystems
befindet, einfach in ein weiter entfernteres, exotischeres als das
unsere verlegt. Folgt man jedoch den gezeichneten Bildern, so stellt man
fest, dass man sich immer noch im gewohnten Umfeld befindet: Im Falle
des Megara z. B. hat man es eindeutig mit Jupiter zu tun, die
rot-beige-braun gebänderte Oberfläche des Planeten (aus dem Weltraum
gesehen) beweist es... Die
gnadenlosen Kürzungen durch das ZDF tun dann noch das Ihrige. Leider ist "Animé" oder Zeichentrick in Deutschland immer noch auf "Kinderfilm" oder "kindgerechtes Niveau" beschränkt. Bestes, oder besser gesagt, schlimmstes Beispiel: "Felidae" nach der Romanvorlage von Akif Pirinçi – keine Geschichte für Kinder, da mit streckenweise brutalem Inhalt – war im Kino schon ab 6 Jahren freigegeben! Dem Animé-Kino für Erwachsene ist in unseren Breitengraden immer noch ein "exotisches Außenseiterdasein" beschieden. Ein durchaus erwähnenswerter Trend ist die zunehmende Perfektionierung der computergenerierten 3D-Animationsfilme. Hier hat "Final Fantasy" hervorragende Vorarbeit geleistet, und Kassenknüller wie "Toy Story" oder "Shrek" zeigten den Real-Filmern, was eine echte Harke ist. Allerdings handelt es sich auch hier um Einzelfälle: Die Pixelschmieden wie Dreamworks oder Pixar tun sich schwer, rasante Streifen wie die "Unglaublichen" verkaufen sich nicht gut genug, und die Unternehmen befürchten deshalb Gewinneinbrüche. Das über den Zeichentrick gesagte scheint sich auch hier zu bewahrheiten: Offensichtlich ist die Welt noch nicht reif für abendfüllende Abenteuer-, Action- und SF-Kinofilme digitaler Machart. Solange Comics und Zeichentrick immer noch in die
"Kinderecke" gesteckt werden, unser Zeichentrickgeschmack
immer noch von knuddeligen Disney-Figuren im typischen Kindchenschema[3]
dominiert ist und die Akteure während der Handlung ab und zu auch noch
in Gesang ausbrechen, wird sich daran wohl auch nicht viel ändern...
Alle anderen westlichen Zeichentrickschmieden haben lange Jahre diesen
Stil übernommen, um erfolgreich zu sein, auch der bei Disney
ausgestiegene Don Bluth. Das
knuddelige Kindchenschema wird zwar auch in Japan z. T. bis zum Exzess getrieben,
allerdings werden in diesem Mekka des Zeichentricks wiederum auch
Filme hergestellt, die alles andere als "niedlich" sind. Das
Spektrum reicht unter anderem von brutalen Gewaltdarstellungen bis hin
zu Filmen pornographischen Inhalts (oder Mischungen aus beidem). Wenn
man letztere nicht unbedingt haben muss, so ist es in Japan jedoch auch
unter Erwachsenen üblich, Manga oder Animé zu konsumieren,
dementsprechend sind auch die Themen und Inhalte der betreffenden Serien
und Geschichten für Erwachsene gestaltet. So
müssen wir uns denn auch bei Captain Future mit Yiek und Oak (Original:
Eek und Oog) als niedliche Sympathieträger herumplagen. Hinzu kommt Ken
Scott, der in der Vorlage nur in einer Geschichte ("Der Zauberer
vom Mars") auftaucht, in der Serie aber des öfteren mit von der
Partie ist und sich als Identifikationsfigur für diejenigen anbietet,
die sich nicht in Future oder Joan Landor wiederfinden. Womit
wir beim psychologischen Teil angekommen wären. Psychologisch
betrachtet, steht die Trias Joan, Future und Ken stellvertretend für
den Prototyp einer "Idealfamilie" und bietet somit in ihrer
Gesamtheit der Zielgruppe "Kinder" als Zuschauer eine weitere
Identifikationsmöglichkeit (im Rahmen von Vater-Mutter-Kind-Spielen).
Das Bilder-Sammelalbum verdeutlicht dieses Prinzip auf seinem rückwärtigen
Einband (und, wenn mich nicht alles täuscht, auch in seinem
Einleitungstext). Allerdings ist diese "Familie" aus den oben
genannten Gründen etwas keimfrei geraten, was im Hinblick auf die
angepeilten Altersstufen sicherlich beabsichtigt war. Der eklatante
Mangel an knisternder Spannung zwischen Joan und Future, die ja
offensichtlich etwas füreinander empfinden und gerne
"wollten", aber nicht "konnten" oder bessergesagt
nicht "durften", hat jedoch noch einen anderen Ursprung: Er
zieht sich auch durch die den Geschichten zugrunde-liegenden Bücher, die
im Großen und Ganzen ja für eine ähnliche Altersgruppe konzipiert
sind. "Captain Future" ist nun leider mal für Kinder gemacht!
Abgesehen davon ist es eine alte Serien-Weisheit, dass Held und Heldin
"sich nie kriegen dürfen[4]",
damit der geneigte Leser oder Zuschauer auch weiterhin hofft, frei nach
dem Motto: Ist er/sie erst vergeben, wird er/sie uninteressant... Schade,
schade, schade. Hoffen
wir also weiterhin auf den abendfüllenden
Captain-Future-Zeichentrickfilm (FSK ab 12 oder 16 Jahren freigegeben),
der schnell, hart und actionreich ist, nicht immer gleich abblendet,
wenn's mal schlimmer oder eindeutiger zugeht, mit anderen
Worten, dessen Sprache und Inhalt eindeutig NICHT kindgerecht sind (und
das bedeutet dann auch den Kinobesuch ohne die kleinen Nervensägen drei
Sitze weiter vorne, die immer, wenn's gerade spannend wird, lautstark mitten in
die Stille plärren "Mama, was macht der denn jetzt?!"), und
den es – so, wie es aussieht – wohl nie geben wird... (schluchz!)
[1] (in Anlehnung an "Horse Opera", Wildwest-Epos. Space Operas sind gekennzeichnet durch »interstellare Raumfahrt, kosmische Konflikte, klischeehafte Aufteilung in galaktische Bösewichte und interstellare Polizeitruppen und vor allem gigantomanische Super Science« (aus Heyne Lexikon der SF-Literatur, 1980) [2] gemeint ist die Folge "Der Herrscher von Megara" (Kaufkassette) [3] ein im Verhältnis zu Rumpf und den restlichen Gliedmaßen relativ großer Kopf mit großen Kulleraugen und Stupsnase, dieses Schema weckt automatisch Beschützer- und Mutterinstinkte (genetisch programmiert) [4] Siehe hierzu auch die Fußnote zur "Minne" unter dem Teil "...Rüstung?". Tatsächlich werden die meisten Geschichten, die von einer unerfüllten Beziehungsspannung leben, sofort langweilig, sobald diese Spannung aufgelöst wird (d. h. die Betreffenden sich endlich "kriegen")... [5] Quelle: Hardy Kettlitz, "Edmond Hamilton - Weltenzerstörer und Autor von Captain Future" |
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